Warschau hat der polnischen Kirche den katholischen Besitz in den Oder-Neiße-Gebieten übereignet. Damit hat der Sejm am Mittwoch voriger Woche einer alten Forderung der Kirche entsprochen und ein Versprechen erfüllt, das die Regierung im Februar gegeben hatte. Es geht um etwa 4700 Kirchen und Kapellen, ferner um 2200 Pfarrhäuser, Seminarien und Klostergebäude.

Das neue Gesetz, bei dessen Entstehung zum erstenmal auch die Bischöfe konsultiert wurden, spricht von der Kirche nun wieder als „Rechtsperson“. Der Staat übereignet ihr „kraft seines eigenen Rechtes“ alle Immobilien in den Oder-Neiße-Gebieten, über die sie am 1. Januar 1971 faktisch – „durch Pacht, Miete, Nutzung oder ohne Rechtstitel“ – verfügt hat. Dieser Beschluß sei dauerhaft.

Der Vatikan registrierte dieses Zeichen guten Willens, rüstet sich zugleich jedoch, was die weitere Verbesserung der Beziehungen mit Warschau angeht, mit Geduld. Die nächste Verhandlungsrunde wird nicht vor dem Herbst beginnen. Seine Polen-Reisepläne hat Papst Paul VI auf das nächste Jahr vertagt.

Weniger denn je will sich der Vatikan auf Wünsche einlassen, die von den Vertriebenenpräsidenten Czaja und Hupka noch Ende April in Rom vorgetragen wurden: Der Papst möge in den Oder-Neiße-Gebieten auch nach der Ratifizierung des deutsch-polnischen Vertrages nur vorläufige Regelungen vornehmen. Im Vatikan heißt es dazu, daß „die deutschen Christdemokraten schwerlich eine weniger vernünftige Ostpolitik machen könnten als die sozialdemokratisch geführte Regierung in Bonn“.