Weyer will seine Partei und seinen Nachfolger auf einen Mittelkurs festlegen, bereit zu jeder Koalition. "Kronprinz" Riemer wäre wohl am ehesten die Person, die eines Tages eine offene Aussage nach beiden Seiten glaubhaft machen könnte. Wenngleich aus den Reihen der Jungdemokraten hervorgegangen – noch vor vier Jahren war er ihr Landessprecher –, ist Riemer kein Linker. Er arbeitet loyal als Wirtschafts- und Verkehrsminister im Kabinett Kühn. Weyer favorisiert deshalb seinen jungen Kollegen, obwohl das persönliche Verhältnis zwischen den beiden Liberalen nicht besonders herzlich ist. Zu unterschiedlich sind die Temperamente der zwei Politiker, als daß sie vollends miteinander harmonisieren könnten. Trotzdem hat Weyer seit einigen Jahren Riemer auf die Rolle des "Kronprinzen" vorbereitet, um den Führungswechsel bei den Liberalen in Nordrhein-Westfalen reibungslos vollziehen zu können.

In diesem noch etwas unübersichtlichen Kandidatenfeld könnte allerdings wie ein Komet noch ein Politiker auftauchen, um den sich in Düsseldorf längst Spekulationen ranken: Hans-Dietrich Genscher. Schon Doms Kandidatur wird zuweilen dahingehend interpretiert, daß Genscher über seinen Staatssekretär Einfluß auf die nordrheinwestfälische FDP nehmen wolle. Einige behaupten sogar, Dorn habe den Auftrag, für seinen Chef das Gelände zu sondieren.

Ganz unbegründet mögen solche Überlegungen nicht sein. Der Bundesinnenminister, der Sitz und Stimme im Landesvorstand hat, wird von einigen Parteifreunden gedrängt, sich im nächsten Jahr um die Nachfolge Weyers zu bemühen. Manche Kreise fürchten nämlich, daß die Anbindung Düsseldorfs an Bonn nicht mehr so fest und sicher sei, wenn der selbstbewußte Riemer den Landesverband führe. Genschers Chancen steigen sicher mit den internen Auseinandersetzungen um die Weyer-Nachfolge. Allerdings könnte Genscher auch versucht sein, sich für seine weitere Parteikarriere eine Hausmacht zu verschaffen. Hermann Baumann