Unwillkürlich wird man an Pasternak erinnert, der in seinem "Doktor Schiwago" und, ungleich überzeugender, in seiner späten Lyrik mit der Inbrunst des getauften Juden Christentum literarisch umgesetzt hat. Allerdings tat er es so esoterisch, daß nur eine intellektuelle Minderheit sich überhaupt angesprochen fühlen konnte.

Und nun Solschenizyn: Sein Vater (das Pseudonym Isaak Loschenizyn im Roman entlarvt mehr, als es kaschiert) hatte sich, wie der Autor in seiner Nobel-Vorlesung schrieb, 1914 freiwillig zur Front gemeldet. 1918, ein halbes Jahr vor Alexanders Geburt, ist er gestorben. Im Roman erfährt man jetzt dazu ergänzend, daß der Vater kurz vor seinem Studium den orthodoxen Glauben angenommen und erst danach zur Universität zugelassen worden war, weil es im zaristischen Rußland einen numerus clausus für jüdische Studenten gegeben hat. Er war ein Anhänger von Tolstois Lehren und ein glühender Patriot, der den Krieg als seine Sache ansah, etwas, das angesichts von Tolstois Pazifismus einander auszuschließen scheint.

Der Sohn Alexander ist nun sowohl ein glühender Christ als auch ein glühender Patriot, beides jedoch im Sinne eines alles bestimmenden Lebensgefühls, das militante Proselytenmacherei und chauvinistische Engherzigkeit gleichermaßen ausschließt.

Solschenizyn schreibt mit dem Rücken zur Welt, zum Westen. Der Westen druckt ihn, aber geschrieben ist dieses Buch für Rußland, damit es nicht vergesse, was nach Solschenizyns Auffassung den Sinn des russischen Lebens, der russischen historischen Existenz ausmacht. Was das allerdings ist, wird in seiner ganzen Bedeutung erst auszumachen sein, wenn alle "Knoten" aufgeknüpft sind.