Als vor vier Monaten die algerische Regierung die Erdölförderung in der Sahara verstaatlichte, ging für Frankreichs Ölkonzerne fast die Welt unter. Die eifersüchtig gehüteten „privilegierten Beziehungen“ zwischen Algier und Paris wurden für gescheitert erklärt, die Diplomaten des Quai d’Orsay gestanden ihre Niederlage ein. Doch die ölbosse gaben das Rennen um die Quellen von Hassi Messaoud nicht auf: Die zu 51 Prozent enteignete Compagnie Française des Petroles (CFP) und die algerische Staatsgesellschaft Sonatrach einigten sich jetzt über ihre weitere Zusammenarbeit.

In Paris will man wissen, daß die CFP (Benzinmarke: Total) in den nächsten fünf Jahren je sieben Millionen Tonnen Erdöl in der Sahara fördern darf. Das entspricht dem Anteil, den die Gesellschaft nach der 51prozentigen Verstaatlichung noch hält. Die technische Leitung der Operationen ginge allerdings an die Sonatrach über. Die nach dem Eklat nach Europa zurückbeorderten 160 CFP-Techniker müßten sich also künftig den Algeriern unterordnen.

Bei den Preisen zeigte sich die Regierung Boumedienne offensichtlich konzessionsbereit: Die CFP soll. 2,75 Dollar pro Barrel Rohöl bezahlen, 15 Cent weniger als auf dem Weltmarkt. Auch bei der Abfindung für die verstaatlichten Anteile wurde Algier großzügiger: Statt ursprünglich 250 Millionen Francs soll die CFP nun 340 Millionen Francs erhalten.

Während die ebenfalls enteignete französische Staatsgesellschaft ELF-ERAP noch nicht mit den Algeriern handelseinig geworden ist, will die CFP wieder in den Ölfeldern der Sahara investieren und ihre Steuerschulden an den algerischen Fiskus begleichen. Daran lag Algier besonders viel. Denn seit Februar waren nicht nur die geförderten Rohölmengen, sondern auch die Steuereinnahmen auf ein Drittel geschrumpft.

Die algerischen Zugeständnisse hinderten die Regierung nicht daran, sich zum Sieger in der Ölschlacht zu proklamieren. Am sechsten Jahrestag seiner Machtübernahme erklärte Staatschef Houari Boumedienne, die Franzosen hätten sich Algeriens Bedingungen gebeugt. smi