Nach dem Luxemburger Erfolg: Gegner und Anhänger des

Von Karl-Heinz Wocker

London, Ende Juni

Am vergangenen Sonntag, zu später Stunde, diskutierten im britischen Fernsehen der rechtskonservative Abgeordnete Enoch Powell und der Ex-Präsident der EWG-Kommission Walter Hallstein über Souveränität und Nationalstaat. Der Professor für griechische Geschichte und der Experte für die Römischen Verträge trieben dabei Seelenfang auf höchstem Niveau. Powell bestand darauf, daß das britische Volk und sein Unterhaus niemals in einer gesamteuropäischen Wählerschaft mit gemeinsamem Parlament aufgehen werden. Die Briten seien „anders“ als die Kontinentaleuropäer. Hallstein konnte und wollte das nicht begreifen und fragte nach den Gründen. Powell verwies auf die Geschichte, die für Großbritannien so unterschiedlich zum Kontinent verlaufen sei. Hallstein erwiderte, Frankreichs Geschichte sei auch nicht die Deutschlands gewesen, und nun gingen beide Länder doch zusammen. Schließlich entzog sich Powell dem logischen Disput. Die Briten, so mußte man ihn am Ende verstehen, sind anders – weil sie eben anders sind.

So ungefähr, nur mit anderen Worten, hat es de Gaulle auch immer gesagt. Verfolgt man seine Bemerkungen über England in den fünfziger und sechziger Jahren und vergleicht man, was sich in der Zwischenzeit auf der Insel geändert hat gegenüber jenem Zustand, den er für einen der „europäischen Unreife“ hielt, so geht einem das zutiefst Irrationale des ganzen Beitrittstreits und seiner Vorgeplänkel auf. Die Resultate, die der Premierminister Heath im Oktober dem Parlament vorlegen wird, sind von den Wünschen, die der Europa-Minister Heath zehn Jahre zuvor in Brüssel äußerte, gar nicht so weit entfernt.

Englands überseeische Vergangenheit, seine „Fürsorgepflicht“ für das Commonwealth, ist in den jüngsten Vereinbarungen ausdrücklich anerkannt worden, wenn auch zeitlich begrenzt. Neuseeländer und Westinder sind nicht im Stich gelassen worden, nur damit London weitgehende französische Forderungen erfüllen konnte. Zu keiner Zeit, weder unter Macmillan noch unter Wilson, hätte ein britischer Unterhändler bessere Bedingungen heimbringen können.

Der Beitritt ist also nicht erkauft worden mit jenen nie genau präzisierten „Veränderungen“, die de Gaulle in England erst eintreten sehen wollte. Die Regierung Heath hat nicht die enge militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten aufkündigen müssen. Sie mußte nicht dem Commonwealth den Rücken kehren, jedenfalls nicht mehr, als das ohnehin längst der Fall ist. Die einzige ins Auge fallende Änderung ist die Zusage, die Weltreserverolle des Pfund Sterling abzubauen. Aber auch das hätte eine Europäische Währungsunion, wäre sie früher gekommen, längst von außen erzwingen können.