Bengalen ist befriedet „mit Hilfe Allahs und der Armee“ (Yahya Khan). Doch mittlerweile hat es sich auch hierzulande herumgesprochen, daß dort die Ruhe des Friedhofs herrscht. Ausländische Journalisten, die nun wieder Ostbengalen besuchen dürfen, bestätigen den Befund, den der pakistanische Journalist Anthony Mascarenhas schon in der vorigen Ausgabe der ZEIT kundgetan hat: Völkermord.

Nach einem Bericht des Weltbank-Direktors Peter Cargill wütet immer noch der Terror einer schießsüchtigen Soldateska gegen alles, was verdächtig ist, dem Hinduglauben oder dem Scheich Mujibur anzuhängen. Eher werden noch weitere sechs Millionen fliehen, als daß die anderen sechs zurückkehren.

Die großangekündigte Verfassungsrede des pakistanischen Diktators Yahya Khan war ein glatter Hohn auf die Demokratie, die seine Generäle in Bengalen erwürgt haben: kein Zeichen der Großmut, keinerlei Konzessionen an das Freiheitsstreben der Bengalen. Die gewählten Vertreter des Volkes werden, sofern sie nicht umgebracht, geflohen oder untergetaucht sind, ihrer Mandate beraubt, es sei denn, sie lassen sich zu Kollaborateuren herabwürdigen. Taub und blind stellte sich Yahya Khan gegen alle Vorhaltungen einer empörten Weltöffentlichkeit.

Offensichtlich hat der Druck der westlichen Industrienationen, von deren Geld Pakistan lebt, noch nicht ausgereicht, die Menschenrechte für Bangla Desh durchsetzen. Das Konsortium hat immerhin die Entscheidung über neue Finanzhilfen auf den Herbst vertagt; allerdings werden die alten Kontrakte erfüllt. Und trotz eines Waffenembargos sind Frachter mit Waffen für Yahya Khan aus amerikanischen Häfen ausgelaufen. Waffen, wo Zelte, Salzlösungen, Reis nötig wären.

Viele Hunderte von Millionen Mark müssen noch aufgebracht werden, um der größten Flüchtlingskatastrophe seit 1945 Herr zu werden. Wenig ist getan worden. Es hat den Anschein, als seien die Mächte in Ost und West dieser Herausforderung nicht gewachsen. Sind Nürnberg, die UN-Charta, Biafra vergessen? Kj.