Wenn die Fische erst einmal mit dem Bauch nach oben auf trüben Fluten treiben, dann weiß es jedermann: Das Gewässer ist verschmutzt und verseucht. Setzt diese Erkenntnis jedoch so spät ein, dann ist die Wiederbelebung eines Flusses oder Sees vielleicht unmöglich, zumindest aber sehr teuer. Je früher also die Verschmutzung erkannt wird, desto besser.

Dr. John Cairns, Direktor des „Virginia Polytechnic Institute“ in Blacksburg (USA), hat ein Verfahren entwickelt und erfolgreich getestet, das die Frühdiagnose von biologischen Veränderungen in Gewässern ermöglicht. Dabei machte sich der Forscher die bemerkenswerten Eigenschaften wirbelloser Kleinstlebewesen, die auf dem Grund von Flüssen und Seen siedeln, zunutze.

Diese Miniaturtierchen – meist sind sie nur einige Millimeter lang – reagieren äußerst empfindlich auf jegliche, auch allmähliche, Veränderung ihrer Umwelt. Schon bei geringer Verschmutzung sterben einige Arten aus. Sie haben außerdem feste Standorte und dienen somit als lebende und zugleich fest installierte Barometer der Flußeigenschaften. Die Wissenschaftler brauchen diese Instrumente nur abzulesen,

Als einfachste Methode hat sich dabei nicht das Einsammeln der angesiedelten Tiere vom Grund des Gewässers erwiesen, sondern folgendes von Cairns entwickeltes Verfahren: In einem Drahtkorb werden saubere Steine in das Wasser herabgelassen. Wenn die Kleinsttiere sich auf den Steinen fest angesiedelt haben, wird der Korb hochgezogen, die Tierchen werden von den Steinen entfernt, abgetötet, gründlich durcheinander gemischt und auf flacher Unterlage ausgebreitet. Dabei ensteht eine zufällige Verteilung, die grob in Reihen geordnet wird – ohne die Zufälligkeit zu zerstören. Sodann wird die Zahl der in den Reihen hintereinander folgenden Wechsel der Tierarten sowie die Gesamtzahl aller Tiere ermittelt. Eine Kombination beider Zahlen gibt Aufschluß über die Anzahl der Arten. Sind in einem Gewässer weniger als 90 verschiedene Arten dieser Lebewesen anzutreffen, so deutet dies auf Verschmutzung hin. Denn: In nahezu allen gesunden Gewässern der Welt – so Dr. Cairns – ist die Zahl der Arten konstant und gleich (nämlich neunzig), obgleich sich die Arten von Gewässer zu Gewässer unterscheiden.

Dieses Verfahren hat zwei Vorzüge, die man im Bereich des Umweltschutzes selten antrifft: Das vereinfachte Auszählverfahren auf der Basis zufälliger Verteilung macht den ausgebildeten Wissenschaftler überflüssig – spart also qualifiziertes Personal. Außerdem: Steine und Drahtkorb sind die einzigen Investitionen. Die Methode ist also billig. j.