ARD, Mittwoch, 23. Juni: „Berichte von den Aufstiegsspielen zur Fußball-Bundesliga“

Was weder dem Präsidenten Canellas gelang noch dem kommentierenden Gütt: dem starren Planungsprogramm von ARD und ZDF ist es geglückt, den Farcen-Charakter von Fußballspielen zu zeigen. Ein Happening, wie es ingeniöser kein Vostell je erfände! Ein Match, das achthunderteinunddreißig zahlende Zuschauer ins Berliner Stadion lockt – gezeigt vor dem Millionenpublikum! Kickereien, die Reporter in stöhnende Patienten verwandelt: Es war schon bös genug, bisher, aber nun wird es schlimmer, ach, käme doch endlich das Ende!

Verdrossene Spieler, verdrossene Sprecher, ein verdrossener Moderator, verdrossene Vereinspräsidenten, die, lustlos, ihre Lückenbüßer-Aufgabe erkennend, ein Pflichtsoll erfüllten: man spielte nicht Fußball an diesem Abend, als die ARD Aufstiegskämpfe zur Bundesliga übertrug, mit denen verglichen jedes C-Klassen-Match die Bedeutung eines Länderspiels hat, man spielte mit Trillerpfeife und Ball ein Stück von Sören Kierkegaard: „Im Anfang war die Langweile. Die Götter langweilten sich, darum schufen sie den Menschen. Adam langweilte sich, weil er allein war, darum wurde Eva erschaffen. Und von diesem Augenblick an war die Langeweile in der Welt und nahm zu im geraden Verhältnis zur Zahl der Menschen. Adam langweilte sich allein, dann langweilten sich Adam und Eva zu zweien, dann langweilten sich Adam und Eva und Kain und Abel en famille, dann wuchs die Menge der Menschen auf Erden, und sie langweilten sich en masse.“

In der Tat, so war es am vorigen Mittwoch, als die ARD, um der einmal eingegangenen Verpflichtungen willen, ein Exerzitium der Langeweile bot – und dies mit jener mürrischen Gewissenhaftigkeit, die ansonsten nur Reporter aufbieten müssen, wenn es gilt, den einundsechzigsten oder vierundachtzigsten Marathonläufer im Ziel zu begrüßen.

Nur die Happening-Freunde kamen auf ihre Kosten, die freilich kräftig, denn eine solche Diskrepanz zwischen Aufwand und Resultat – Dorfacker-Kickerei in Riesenstadien – sieht man nur selten. Und auch die Kameraleute warenzufrieden: Der Verpflichtung enthoben, das nicht

Dokumentierenswerte zu dokumentieren, konnten sie den Künstler hervorkehren, der in ihnen steckt, und sich als Meister des Fachs präsentieren: leere Ränge, leere Tribünen, ein einsamer Mann, dessen Existenz die Nicht-Existenz der Zuschauer zeigte, photographierte Negation, ein Spiel, dessen Reiz in der Diskrepanz zwischen Erwartung und Erfüllung liegt.

So betrachtet hätte sich die Dokumentation des letzten Viertels der Aufstiegsrunde, was den Happening-Charakter betrifft, nur noch durch eine Berichterstattung überbieten lassen: die Nachwahl im Bezirk Husum-Land, dargeboten im Stil einer Bundestagswahl! Hochrechnungen über das Abschneiden der FDP im Dorf Mildstedt.