Im Vorstand der AG würde sich das künftige Spitzenmanagement der Gruppe sammeln. Denn parallel mit der Konzernumstrukturierung wird sich ein neues Management im Günther-Quandt-Haus in Homburg vor der Höhe herauskristallisieren. Diese Manager werden in den nächsten Jahren an die Stelle des Triumvirats aus Herbert Quandt (demnächst 61) und den beiden verdienten "Hausmeiern" Dr. jur. Horst Pavel (62) und Gerhard Vieweg (65) treten: Die "Senioren" werden in den Aufsichtsrat der neuen Holding aufrücken. Einen aktiven Vorstandschef mit dem Namen Quandt wird es dann nicht mehr geben. Nach dem Flugzeugabsturz seines Bruders Harald 1967 ist Herbert Quandt der einzige Namensträger in der Führungsgruppe. Da seine Söhne erst sechzehn und fünf Jahre alt sind, werden die nächsten Jahrzehnte durch ein "Fremdmanagement" geprägt sein.

Als Harald Quandt noch lebte, hatten die beiden Brüder – aus verschiedenen Ehen ihres Vaters Günther Quandt – ihre Interessen weitgehend aufgeteilt. Herbert betreute hauptsächlich den Automobilbereich: die etwa 14prozentige Beteiligung bei der Daimler-Benz AG, BMW und der Varta AG (Schwergewicht Autobatterien) mit ihren zahlreichen Beteiligungen. Harald, der Techniker, widmete sich dem Maschinenbau und den verwandten Gebieten. In diesem ehemals von Harald dirigierten Bereich haben sich in letzter Zeit die stärksten Veränderungen ergeben.

Die Industriewerke Karlsruhe AG, bei der Verluste hingenommen werden mußten, fusionierte 1970 mit der Quandtschen Schwesterfirma Keller & Knappich GmbH in Augsburg (Kommunalfahrzeuge und Schweißmaschinen) zur Industrie-Werke Karlsruhe Augsburg AG (IWKA). Sie kommt bereits in diesem Jahr mit Tochtergesellschaften – darunter die für die Wehrtechnik zuständige Mauser-Werke AG, Oberdorf – auf einen Umsatz von gut 500 Millionen Mark.

Die bisher ohne Fortüne gebliebenen "dürren" Produktionszweige wie der IWK-Apparatebau und die Mauser-Jagdwaffen sind in der neugegründeten IPG Industrie-Planungsgesellschaft mbH & Co, Karlsruhe, zusammengefaßt worden, die als eine Art Zwischenholding fungiert. Auch die Deutsche Waggon- und Maschinenfabriken GmbH in Berlin, wurde aus der IWKA herausgelöst und inzwischen in die gemeinsam mit Rheinstahl betriebene Waggon-Union GmbH., Berlin, eingebracht.

Die Quandt-Firma Busch-Jaeger Dürener Metallwerke AG, Lüdenscheid, hat ihren Geschäftsbereich Elektro an BBC verkauft. Die Varta-Tochter Hans Still GmbH, in Hamburg, aus der man Generatorenbau sowie Antriebs- und Regelungstechnik herausnahm und verkaufte, hat dafür die Flurfördermittel (Gabelstapler) der früheren Maschinenfabrik Eßlingen übernommen und firmiert nun SE Fahrzeugwerke GmbH. Schließlich trennte sich der Quandt-Konzern von der nicht mehr ins Firmenkonzept passenden Kammgarnspinnerei Stöhr & Co. AG, und damit von seiner ältesten Produktionssparte: Die Quandts waren als Textilindustrielle groß geworden. Im Krieg 1870/71 rüsteten sie die preußische Armee mit Tuchen aus. Im ersten Weltkrieg erwarb sich Günther Quandt Meriten als Reichstreuhänder für die Textilwirtschaft.

Die Flurbereinigung hat also schon begonnen. Auch wenn es intern bei der Abgrenzung der Kompetenzen nach einzelnen Bereichen blieb, so geht der Trend doch zu einer stärkeren Integration an der Spitze. Nach dem Tod des jüngsten Quandt-Bruders wurde Vieweg und Pavel Einzelvollmacht für die laufenden Geschäfte des Vermögens der Erben von Harald Quandt – Frau Inge Quandt, geborene Bandekow, mit fünf Kindern – erteilt. Die enge’ Zusammenarbeit Herbert Quandts mit beiden gewährleistet, so hieß es seinerzeit, die "einheitliche Interessenwahrnehmung der Quandt-Gruppe".

Die beiden Familienholdings haben ihren Sitz in Stuttgart-Feuerbach: Bei der Draeger-Werke GmbH liegen die IWKA-Anteile und die Daimler-Aktien; der Allgemeinen Gesellschaft für Industriebeteiligungen mbH (AFFI) sind die anderen Firmen der Gruppe angeschlossen.