Exakt wird der Quandt-Anteil bei BMW nach wie vor nicht angegeben. Man kann jedoch davon ausgehen, daß Quandt über eine gute Mehrheit des Kapitals "verfügt" – vor allem wenn man noch die knapp zehn Prozent einbezieht, die bei der Gerling-Versicherungsgruppe gelandet sind; es wird vermutet, daß Quandt auf dieses Paket eine Art Option hat.

Das BMW-Management ist mit Quandt einer Meinung: Für eine "überschaubare Zeit" werde BMW als selbständiges Unternehmen am Markt besser operieren können, als wenn es sich "schlucken" lassen würde, meint Vorstandschef von Kuenheim. Aber auch Quandt macht sich wohl Gedanken über die nicht mehr überschaubare Zukunft. Dabei bietet sich ihm zwangsläufig die Alternative Daimler oder VW.

Eine Übereinkunft mit Daimler-Benz wäre heute wohl am ehesten denkbar. Wenn sich Quandt mit Friedrich Flick und der Deutschen Bank als den beiden Daimler-Hauptaktionären einigen würde, könnte er seinen BMW-Besitz in Stuttgart-Untertürkheim einbringen und dadurch dort auf einen Anteil von mehr als 25 Prozent kommen. Das "Vermögensobjekt" BMW wäre damit in einer größeren Vermögensmasse sicher angelegt. Die notwendige Abstimmung in der Modellpolitik – auf dem Markt der Sechszylinder sind BMW und Mercedes erbitterte Konkurrenten – könnte allerdings kaum vor 1975/76, wenn die großen Sechs-Zylinder-Wagen aus München zur Revision anstehen, getroffen werden.

Nur schwer denkbar wäre unter den heutigen Umständen eine "VW-Lösung". Die Aussichten wären günstiger, wenn der VW-Konzern sich einmal auf Holding-Funktionen beschränken und zu einer "Deutschen Automobil-Union AG" mausern würde. Zu den Massenprodukten (VW) und den Mittelwagen (Audi NSU) könnten dann die Groß- und Mittelwagen von BMW stoßen.

Quandt wird sich kurzfristig kaum auf solche Kombinationen einlassen. Solange in München die positiven Aspekte überwiegen, wird auch Quandt seinen Standpunkt nicht ändern. Eine "Quandt AG", in die Herbert Quandt auch seine BMW-Aktien einbringen würde, aber wäre fürs erste ein solides "Netz" für die bayerische Traditionsfirma, ein Risikopolster und ein Kapitalbeschaffungsinstrument für die nächsten Jahre. Auch den BMW-Kleinaktionären gäbe sie zusätzliche Sicherheit. Auf die Dauer aber würde eine solche Konstruktion einem grundlegend neuen Konzept für BMW nicht im Wege stehen. Dann könnten die "Planspiele" um die große, Autofusion wieder aktuell werden.