Über neue Grundsätze der inneren Struktur wird in der Max-Planck-Gesellschaft seit drei Jahren beraten. Daß die Strukturkommission bisher noch nicht zu Ergebnissen gekommen ist, die nennenswert wären, wird in allen Rängen als enttäuschend empfunden. In den alten wie neuen Grundsätzen zählt aber, ein Punkt, der von Anfang an zum Prinzipien-Strauß der Gesellschaft gehört hat: "Die Stellung eines Wissenschaftlers in der Max-Planck-Gesellschaft richtet sich nach seiner wissenschaftlichen Qualifikation."

Aus solcher Ecke betrachtet, ist die Forderung nach Mitbestimmung, die von den Delegierten der wissenschaftlichen Mitarbeiter im letzten Monat auf einer Tagung in Arnoldshain erhoben wurde, so einfach nicht mehr zu beantworten. "Sind die Delegierten die qualifizierten Exponenten einer jüngeren Wissenschaftler-Generation?", so wird nun gefragt. "Oder sind es Leute, die aus einer beruflichen Stagnation heraus aktiv werden und durch profilierte politische Ansichten die nötigen Stimmen auf sich vereinen?"

"Es ist nicht die erste Garnitur des Nachwuchses", so sagen die "Falken" unter den Gelehrten, "denn die müssen Mitbestimmung nicht fordern, sie haben sie." Dagegen meint ein Delegierter der wissenschaftlichen Mitarbeiter: "Alle Wissenschaftler sind aus der Natur der Sache heraus gleich." Doch es gibt gute und schlechte Wissenschaftler, und darauf lautet die Gegenfrage: "Ist wissenschaftliche Qualität objektivierbar?"

Reimar Lust, Direktor des Institut für extraterrestrische Physik in Garching, eine "Taube" im Gelehrtenlager, hält das für problematisch: "Das Prinzip, denjenigen Wissenschaftler am meisten zu fördern, der die originellsten Ideen produziert, ist zu einfach. Außer Originalität ist zum Beispiel auch das Durchsetzungsvermögen ein Talent, das die Qualität eines Wissenschaftlers ausmachen kann. Die Leistung kann außerdem nicht unabhängig von den Projekten gesehen werden, die gerade gefördert werden" Nach was mißt sich also der Status eines Wissenschaftlers in der Max-Planck-Gesellschaft?

"Mein nächstes Ziel ist ein Lehrstuhl an der Universität", sagt der Delegierte der wissenschaftlichen Mitarbeiter, "nur über diesen Umweg schaffe ich es, Institutsdirektor in der Max-Planck-Gesellschaft zu werden." Wahrscheinlich ist das Traum und Trauma der Mehrzahl aller

1850 Mitarbeiter. Was sonst sollte ihnen in der Max-Planck-Gesellschaft auch als Chance ihres Lebens vorkommen? Die Gesellschaft hat demgegenüber anzubieten: 54 Institute und 198 Stellen für Direktoren und wissenschaftliche Mitglieder.

"Es ist ein Profilierungsproblem‘, meint ein Kenner der Verhältnisse. "Wenn ein Physiker sich entschließt, nicht zu den Elektrizitätswerken zu gehen und auch nicht Physiklehrer zu werden, sondern die wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen, dann stehen ihm als Karriereziel das Ordinariat, der Institutsdirektor und der hervorragende Gelehrte‘ vor Augen. Eine breite Schicht findet sich nach einigen Jahren im Raum davor wieder, als Akademischer Rat, als außerordentlicher Professor. Und mindestens fünfzig bis siebzig Prozent sind aus der grauen Masse gar nicht aufgetaucht und haben den sozialrelevanten Aufstieg nicht geschafft."