Junge Juristen können aufatmen: In den letzten Monaten hat sich die Lage am Arbeitsmarkt für sie erheblich verbessert. Die 30 000 Rechts-Studenten an den Universitäten der Bundesrepublik waren wiederholt durch pessimistische Prognosen aufgeschreckt worden und fürchteten um die Früchte ihres Studiums.

Während vor kurzem auf eine offene Stelle in der Regel noch mehrere juristische Bewerber kamen, meldet die Zentralstelle für Arbeitsvermittlung in Frankfurt jetzt eine Umkehrung der Situation. Justiz, Verwaltung, Wirtschaft und Verbände bieten mehr Positionen an, als Bewerber vorhanden sind. Erst Mitte der siebziger Jahre dürfte wieder mit einem großen Überangebot an Juristen zu rechnen sein.

Von der Hochkonjunktur profitieren sogar Kandidaten, die kein Prädikatsexamen geschafft haben. Auch mit der Note „ausreichend“ sind heute angemessene Jobs zu finden. Schwierigkeiten haben jedoch Juristen über 40. Es ist zum Beispiel äußerst schwierig, einen Rechtsanwalt in diesem Alter zu vermitteln.

Bei der Besetzung führender Positionen im öffentlichen Dienst und in der Wirtschaft müssen Juristen jedoch mit der verstärkten Konkurrenz der Wirtschaftswissenschaftler rechnen. Vom einstigen Juristenmonopol ist nicht mehr viel zu spüren. So wirkt sich die Vernachlässigung der Wirtschaftsfächer während des Jura-Studiums immer nachteiliger aus.

Ein deutliches Beispiel hierfür sind die Personalleiter in der Wirtschaft. Nur noch ein Drittel der Posten wird heute mit Juristen besetzt. Vor nicht allzu langer Zeit waren es noch mehr als die Hälfte. Juristen, die nicht zu einer Zusatzausbildung bereit sind, müssen also mit einer beträchtlichen Einschränkung ihrer Aufstiegsmöglichkeiten rechnen.

Besonders starke Nachfrage nach Juristennachwuchs kommt zur Zeit von den Justizverwaltungen der norddeutschen Bundesländer. Hessen und Nordrhein-Westfalen versuchen zudem, die Laufbahn von Richtern und Staatsanwälten attraktiver zu machen.

Im Ausland sind deutsche Juristen allenfalls bei internationalen Organisationen gefragt. Auch hier empfiehlt sich allerdings dringend eine zusätzliche Fachausbildung. Juristinnen. haben im öffentlichen Dienst mehr Chancen als in der Wirtschaft. Doch auch Vater Staat scheint bei Beförderungen in Spitzenämter die männlichen Kollegen zu bevorzugen.

Auf jeden Fall lohnt es sich, die Ausbildung mit dem Assessorexamen abzuschließen. Denn allein mit dem ersten Staatsexamen sind die Karriereaussichten nicht besonders rosig. Für Sachbearbeiter bei Versicherungen und Bausparkassen oder als Assistent des Personalchefs wird zwar das zweite Staatsexamen nicht verlangt. Dafür sind aber Bezahlung und Aufstiegschancen nicht günstig. Klaus-Peter Schmid