Aus der Zeitung erfuhr Felix Eckhardt, Aufsichtsratsvorsitzender der Dortmunder Union-Brauerei (DUB), von neuem Zündstoff im Ringen um die beherrschende Position bei der DUB, Deutschlands größter Brauerei. Dem Vorstandssprecher der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank, Anton Ernstberger, wurde in diesem Bericht Wortbruch vorgeworfen. Entgegen einer früheren Zusage an Eckhardt, so hieß es, wolle Ernstberger sich nun gegen die Interessen des DUB-Großaktionärs Reemtsma stark machen. Der Zigarettenkonzern möchte nämlich alle seine Brauereitöchter bei der Dortmunder Union einbringen, um dort die Majorität zu erringen.

Ernstberger jedoch will von einem Wortbruch nichts wissen. In München heißt es sogar, daß Eckhardt selbst dazu beigetragen hat, Ernstbergers DUB-Paket aufzurunden. Dieser hält nunmehr 27 Prozent und dürfte damit sogar stärker vertreten sein als Reemtsma.

Zwischen Reemtsma und Ernstberger zeichnet sich in diesem verwirrenden Spiel bisher keine Annäherung der Standpunkte ab. Der Hypo-Boß will seine Schlüsselstellung bei der Dortmunder Union nur dann einschränken, wenn ihm Reemtsma ein interessantes Angebot unterbreitet. Doch bisher fehlt es an akzeptablen Vorschlägen.

Ernstberger verhandelt im übrigen auch mit dem Oetker-Konzern, Reemtsmas Rivalen im Kampf um die meisten Hektoliter-Millionen auf dem deutschen Markt. Energisch dementiert der Münchner Bankier Versionen, daß er nun Oetker seine DUB-Schachtel offerieren wolle und dafür auf die Oetker-Bank Lampe in Bielefeld spekuliere. Ihm schwebt eine viel großzügigere Konzeption vor: die Zusammenarbeit der beiden weitverzweigten Braugruppen Oetkers und der Hypo. An ein Kartell der Größten“ ist dabei nicht gedacht, sondern an eine Kooperation der dominierenden Braukonzerne in bestimmten Fragen innerhalb der EWG.