Die Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg sieht sich einem Problem konfrontiert, das sie bislang nicht kannte. Einst im Besitz beträchtlicher Rücklagen, muß sie in den kommenden Jahren mit Defiziten rechnen. Doch nicht die Arbeitslosenunterstützung, sondern die Ausgaben für berufliche Fort- und Ausbildung und für Umschulung der Versicherten leeren die Kassen des Nürnberger Institutes. Während nämlich die Zahlungen für die Arbeitslosen von 1969 auf 1970 von 674 auf 651 Millionen Mark gesunken sind, stiegen-in der gleichen Zeit die Ausgaben für den gesamten Bereich berufliche Ausbildung von 323 auf 765 Millionen Mark.

Noch hat die Selbstverwaltung der Bundesanstalt für das Finanzierungsproblem keine Lösung gefunden. Die letzte Entscheidung muß ohnehin in Bonn getroffen werden. Das Bundesarbeitsministerium kann wählen zwischen Einsparungen im Förderungsprogramm, einer Erhöhung der Beitragssätze in der Arbeitslosenversicherung oder dem Griff in die Steuerkasse.

Der Präsident der Bundesanstalt, Josef Stingl, schlug eine Erhöhung der Beitragssätze der Arbeitslosenversicherung von 1,3 auf 1,8 Prozent vor. Zu recht: Berufliche Aus- und Fortbildung oder Umschulung können viele Arbeitnehmer vor drohender Arbeitslosigkeit bewahren – und das nicht nur in Zeiten einer Rezession. Eine großzügige Unterstützung der beruflichen Fortbildung fördert nicht nur die Mobilität und die Chancengleichheit der Arbeitnehmer, sie vermindert auch die Zahlungen von Arbeitslosengeld. Weil sie Arbeitslosigkeit verhindern hilft. gf