Von Horst Rautenhaus

Es kam, wie es kommen mußte: Zum drittenmal hintereinander gewann Porsche die Markenweltmeisterschaft und – was wichtiger ist – zum zweitenmal das traditionelle 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Man wird sich also freuen in Zuffenhausen. Vielleicht fragt man sich aber auch: „Wurde da eigentlich ein großer Sieg errungen?“, und die ehrliche Antwort hierauf kann nur lauten: „Nein.“

Denn wer wurde schon geschlagen? Sicher, es gab einige Gegner mit klingenden Namen: Ferrari und Alfa Romeo. Doch der Kampf wurde mit ungleichen Waffen ausgetragen: Porsches Typen 917L (Langheck) und 917K (Kurzheck) hatten bei einem Hubraum von 5 Litern gut und gerne 600 Pferdestärken. Sie waren 1970 erprobt und zuvor in einigen Rennen der Saison 1969 und hatten außerdem Tausende von Testkilometern zurückgelegt. Ferraris Typ 312P hingegen war ein vollkommen neues Auto, ausgerüstet mit einem nur leicht gedrosselten Formel-l-Triebwerk, dem jedoch gegenüber dem Porsche runde 150 PS an Leistung fehlten, ein Handikap, das den Dreiliter-Zwölfzylinder vor allem auf schnellen Kursen wie Monza oder Spa-Franchorchamps nicht ganz mithalten ließ.

Nicht besser ging es Alfa Romeo. Die Italiener traten ebenfalls nur mit Prototypen der Dreiliter-Klasse an, deren Motoren etwa zwischen 410 und 420 PS auf die Straße brachten. Allerdings verfügte Autodelta, die für den Sporteinsatz verantwortliche Abteilung bei Alfa, über ausreichend getestete Wagen.

Außer dem Ferrari 312P und dem Alfa Romeo Typ 33.3 waren in der Sportwagenklasse (bis 5 Liter Hubraum) eine Meute privater Porsche 917 und Ferrari 512S und 512M am Start. Wagen also, die niemals so gut vorbereitet werden können wie die Werksfahrzeuge, allein schon deshalb, weil es den Privatiers an dem nötigen Geld fehlt.

Bekanntlich zog sich Porsche 1969 nach Gewinn der ersten Markenweltmeisterschaft als Bewerber von den Rennschauplätzen zurück. Man ging eine „Ehe“ mit dem englischen John-Wyer-Automotive-Team ein, einer Firma, die einmal die entsprechende Erfahrung im Autorennsport hatte (war doch ihr Rennleiter David York der Mann, der Mitte der fünfziger Jahre die englischen Aston Martin zu Ruhm und Ehre brachte), und zum anderen die amerikanische Öl- und Benzinfirma Gulf als Sponsor hinter sich hatte. Es liegt auf der Hand, daß dieser Schritt eine Entlastung der Zuffenhausen er darstellte, die jetzt mehr Zeit für die Entwicklung der Fahrzeuge bekamen.

Trotz Wyers Erfahrung und Geld hielt man sich eine Hintertür offen, denn man war der Ansicht, daß es nichts schaden würde, wenn man ein Eisen im Feuer hätte. So überließ man auch der österreichischen Porsche-Vertretung Porsche-Salzburg KG zwei Wagen des Typs 917. Gegen Ende der letzten Saison verlor man in Salzburg jedoch die Lust, und die Wagen dieser Firma gingen an das von Martini gesponsorte Team des deutschen Ex-Rennfahrers Hans Dieter Dechent aus Saarbrücken. Mit Rodriguez/Oliver und Siffert/Bell bei John Wyer und Elford/Larrousse sowie Dr. Marko/von Lennep bei Martini-International sah die Zukunft recht rosig aus.