Dom Mintoff, neuer Premierminister Maltas, leitete seine Amtszeit mit zwei – nicht unerwarteten – Paukenschlägen ein: Auf sein „Ersuchen“ hin verließ der italienische Admiral Gino Birindelli, Befehlshaber der Nato-Seestreitkräfte Südeuropa, die Mittelmeerinsel, deren strategischen Wert Churchill einmal mit den Worten „ein unsinkbarer Flugzeugträger“ umschrieb. Der britischen Regierung, die Malta nach 150jähriger kolonialer Abhängigkeit 1964 in die Selbständigkeit entließ, erklärte der sozialistische Premier, er sei mit den Bedingungen des Zehnjahres-Vertrages von 1964 über die militärische Nutzung der Insel, speziell ihres Hafens La Valetta, nicht mehr einverstanden.

Das Verhältnis zwischen Birindelli und Mintoff war seit langem gespannt. Der Admiral hatte mehrfach vor dem neutralistischen Mintoff gewarnt und die Gefahr eines „Kubas im Mittelmeer“ heraufbeschworen. Der erboste Mintoff – „Ich kann die Italiener nicht leiden“ – bezeichnete Birindelli als „Faschisten“: „Lassen Sie uns in Ruhe; sonst könnte Ihnen zustoßen, was Mussolini passiert ist!“

Die Nato und die westlichen Regierungen halten Mintoffs starke Worte für die Begleitmusik seiner eigentlichen Absicht: so schnell wie möglich mit Verhandlungen über höhere englische Zahlungen zu beginnen. London gibt jährlich 5,1 Millionen Pfund für die militärische Nutzung der Insel, die – durch einen Nebensatz im Vertrag verankert – auch „befreundeten Nationen“ – sprich der Nato – zur Verfügung steht.

Zwar hat sich Malta alle amerikanischen Flottenbesuche verbeten; ein sowjetischer Kreuzer liegt bereits in Küstennähe vor Anker, ein libyscher Flottenverband wird in Malta erwartet – in Nato-Kreisen aber glaubt man nicht ernsthaft an einen neutralistischen oder gar prosowjetischen Kurs der Regierung Mintoff. Der Guardian meinte besänftigend, bei einer Mehrheit von nur 28 der 55 Parlamentssitze liege die Versuchung nahe, sich mit energischen Schritten deutlich vom Vorgänger Borg Olivier abzusetzen.

London hat denn auch erklärt, daß es auf Vertragserfüllung bestehe, aber die Tür zu baldigen Verhandlungen offen lasse. Wie geplant sollen 750 Royal Marines auf die Insel verlegt werden. Freilich gilt gerade dieser Einheit Mintoffs besondere Abneigung: Sie kamen 1958 gegen seinen Willen – er war schon 1955 zum Premierminister gewählt worden – nach Malta, um Unruhen zu bekämpfen.

Seit dieser Zeit hat Mintoff zweimal vergeblich versucht, das höchste Regierungsamt wieder zu erlangen. Auf Malta hieß es damals, er habe sich mit seiner scharfen Redeweise die katholische Kirche zum Feind gemacht und dafür bei den Wahlen bezahlen müssen. Erst im vergangenen Jahr kam eine Art Burgfriede mit dem Erzbischof Gonzi zustande. Von den 330 000 Bewohnern fürchten jetzt besonders die etwa 6000 Briten, daß die Steuerschraube härter angezogen wird.

Spanien hat aufmerksam den Malteser Lärm verfolgt. In Madrid hofft man, von einer Vertreibung der Nato zu profitieren. Ein erstes Indiz: Die New York Times sprach bereits von einer Assoziation Spaniens an die Nato.