Malta, die winzige Mittelmeerinsel, gibt den Mächten Rätsel auf. Was verbirgt sich hinter der Forderung des neuen Insel-Premiers Mintoff: „Malta den Maltesern“. Heißt das etwa, daß er die Briten mitsamt der NATO künftig ebenso aus seinem Mini-Reich weisen will, wie er den rechtsorientierten italienischen Admiral Birindelli, seines Zeichens Befehlshaber der NATO Seestreitkräfte Südeuropa, vor die Tür setzte, weil er ihm unsympathisch war? Und folgt daraus zwingend, daß er nun Moskaus roter Eskadra erlaubt, an seinen Molen festzumachen? Malta – ein Kuba im Mittelmeer?

Mintoff weiß, daß er sich keine großen Sprünge leisten kann. Er regiert nur mit einer Stimme Mehrheit; die Zahl der Arbeitslosen und das Defizit im Haushalt zwingen ihn maßzuhalten. Das Loch im Budget mag ihn freilich auch auf die Idee gebracht haben, mit Hilfe einer kleinen Erpressung zu Geld zu kommen.

Der Malteser Premier hat schon vor seiner Wahl immer wieder gesagt, es sei nicht ein Fünkchen Wahrheit an der Unterstellung, er wolle den Sowjets einen Flottenstützpunkt einräumen. „Wir sagen nur, daß keine Großmacht uns mit einer Basis ersticken muß, bloß um die Russen unseren Häfen fernzuhalten.“

Malta soll den Maltesern mehr einbringen – das versteckt sich hinter Mintoffs Kurs. Er will nicht große Politik machen, sondern ein großes Geschäft. Zu Recht hat sich die NATO nicht ins Bockshorn jagen lassen. D. st.