Reinhard Höhn: Verwaltung heute. Autoritäre Führung oder modernes Management. Verlag für Wissenschaft, Wirtschaft und Technik, Bad Harzburg. 448 Seiten, 29,70 DM

Frieder Lauxmann: Die kranke Hierarchie, Not und Hoffnung der öffentlichen Verwaltung, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart. 184 Seiten, 20, – DM.

Wem ist das so ganz unbekannt? Immer wieder muß sich der Staatsbürger erst einen inneren Rudi geben, bevor er den Gang zu einer Behörde antritt. Und immer wieder überfällt ihn das gleiche Unbehagen, wenn er auf langen Korridoren Amtsstube auf Amtsstube hinter sich läßt, um schließlich vor der zuständigen Tür die Reihe der davor Wartenden zu verlängern.

Woher kommt dieses Unbehagen? Ist es nur der menschlich-allzumenschliche Verdruß darüber, ein immer unbedeutender werdendes Teilchen im Räderwerk einer immer größer werdenden staatlicher Bürokratie zu sein? Oder funktioniert dieses Räderwerk – so exakt es auch, von außen gesehen, zu laufen scheint – nicht mehr so, wie es funktonieren sollte?

Beide oben angezeigten Bücher kommen im Prinzip zu der gleichen Diagnose: Die öffentliche Verwaltung ist mit ihrer Struktur und Arbeitsweise wie wir sie heute kennen, nicht mehr in denLage, den Anforderungen der modernen Industriegesellschaft zu genügen. Hauptangriffspunkt der Kritik beider Autoren ist der behördeninterne autoritäre Führungsstil. Auch heute noch orientiert sich die staatliche Verwaltung in Führung und Organisation an der Tradition des absolutistischen Staates, an dem Prinzip des Befehlens und Gehorchens in den Über- und Unterordnungen einer streng gegliederten Hierarchie.

Fanig sind sich beide Verfasser auch in der Therapie: Die in der öffentlichen Verwaltung profitierten Führungsmethoden müssen entkrampft werden. An die Stelle des nahtlosen „Durchregierens“ von hochoben bis tiefunten selbst in belanglosen Kleinigkeiten muß die „Delegation von Verantwortung“ treten; auch den Beamten und Angestellten in den unteren Rängen der Hierarchie müssen im Rahmen fest umrissener Aufgabenbereiche Entscheidungsspielräume in eigener Verantwortung zugewiesen werden, in die hineinzureden auch den übergeordneten Instanzen nicht gestattet ist. Nur so kann die staatliche Bürokratie wieder festen Boden unter die Füße bekommen, den sie durch ihren praxisfernen Führungsstil weitgehend verloren hat.

Höhn, Leiter der „Akademie für Führungsr kräfte der Wirtschaft“ in Bad Harzburg, ist wohl nicht der alleinige Erfinder der „Delegation von Verantwortung“, kann aber für sich in Anspruch nehmen, an der theoretischen Durchdringung dieses Führungsstils und seiner Aufbereitung für die Praxis maßgeblichen Anteil zu haben. Wenn sich nach dem Zweiten Weltkrieg auch in der deutschen Wirtschaft, zumindest in den großen Unternehmen, moderne Managementmethoden mehr und mehr durchgesetzt haben, so ist das zu einem guten Teil der rührigen Schulungsarbeit der Harzburger Akademie zu danken.