Seit Beginn dieser Woche verhandeln in Montreal die Vertreter der 22 am Passagierverkehr über den Nordatlantik beteiligten Luftverkehrsgesellschaften. Sie müssen sich bis zum 1. November über neue Flugpreise für den Linienverkehr einigen. Doch ob vier Monate ausreichen werden, um die unterschiedlichen Meinungen auf einen Nenner zu bringen, ist mehr als fraglich.

Im Grunde sind die Mitglieder der International Air Transport Association (IATA) verpflichtet, die einmal vereinbarten Tarife unverändert beizubehalten. Doch diesmal hielten sich nicht alle an den Kodex des Pflichtkartells im Luftverkehr.

Anfang Juni verkündeten die amerikanische Pan Air und die belgische Sabena spezielle Jugendtarife: Jugendliche zwischen 12 und 22 Jahren fliegen für 200 Dollar von Brüssel nach New York. Wenige Tage später folgten weitere Gesellschaften mit preiswerten Angeboten für junge Fluggäste Air France, Alitalia, Air Canada und nach ein paar Tagen Zögern auch die Lufthansa.

Dieser Bruch mit den IATA-Gepflogenheiten kündigt für die nächsten Monate Überraschungen, an, zumal einige Gesellschaften vor dem Meeting in Montreal ein hartes Ringen um die Passagepreise ankündigten.

Doch die IATA-Verhandlungen sind zwangsläufig schwierig: Alle Beschlüsse müssen einstimmig gefaßt werden. Die 22 Liniengesellschaften haben aber unterschiedliche Auffassungen über die zukünftigen Tarife. So peilt die British Overseas Airways Corporation (BOAC) für den Hin- und Rückflug London–New York einen Preis unter 650 Mark an. Kleinere Gesellschaften sind aber nicht an allzu niedrigen Tarifen interessiert.

Wenn sich die am Nordatlantikverkehr beteiligten Gesellschaften nicht auf einen einheitlichen Tarif einigen, wird am 1. November die sogenannte „open rate Situation eintreten. In diesem Fall könnten alle Gesellschaften zu selbstgemachten Preisen über den Atlantik fliegen.

kde