Urlaub mit Hindernissen

Wer in diesem Sommer eine Italienreise unternimmt, muß sich auf allerhand gefaßt machen. Er wird zwar – aller Wahrscheinlichkeit nach – ein Bett finden, machen muß er es sich freilich unter Umständen selber. Fahrstühle werden nicht fahren, Hotelpagen und Gepäckträger nicht zu finden sein. Wenn es das Pech will, wird man vor verschlossenen Museumstüren stehen, vergeblich auf ein Mittagessen oder auf den Omnibus warten, ist der Supermarkt den ganzen Tag über zu. Selbst in vielen Fremdenverkehrsämtern wird der Tourist vergeblich Einlaß begehren: In Italien wird gestreikt. Die 220 000 Hotelbediensteten traten jetzt sogar zum dritten Mal in den Ausstand. Sie fordern höhere Mindestlöhne und eine kürzere Arbeitszeit.

So berechtigt die Forderungen der in Dienstleistungsbetrieben arbeitenden Italiener auch sind, so gewiß läßt sich auch voraussagen, daß sie an dem Ast sägen, auf dem sie sitzen. Die italienische Fremden Verkehrsstatistik zeigt erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg eine absteigende Tendenz. 1969 brachten die Touristen immerhin noch Devisen im Wert von 712 Milliarden Lire ins Land.

Wie wird es weitergehen? Der Streik in Italien signalisiert deutlich, daß die günstigen Reiseangebote in den klassischen Urlaubsländern bisher nicht zuletzt auf Kosten der einheimischen Arbeitskräfte gingen. Das wird nicht mehr lange so weitergehen. Dienstleistungen verlangen auch dort in Zukunft ihren angemessenen Preis, und das bedeutet für die Touristen: Urlaubsfreuden werden teurer. F.R.

Lehrerferien

Ferien, diese normalerweise nur einmal im Jahr auftretende Ansammlung arbeitsfreier Tage, bedeuten für die meisten Bürger das große Glück – die Tage, für die man während der anderen Tage arbeitet. Ferien – der Lohn der Arbeit. Ferien machen frei.

Meistens jedenfalls. Für die Lehrer allerdings, die über besonders häufige und lange Ferien verfügen, machen Ferien Arbeit, Mehrarbeit. Das mußte jetzt ein Studienrat aus Hessen erfahren. Als dort die Arbeitszeit der Beamten allgemein von 48 auf 42 Wochenstunden herabgesetzt wurde, die Lehrer aber nach wie vor 24 (!) Wochenstunden absolvieren sollten, fühlte er sich benachteiligt.