SCHERZ, SATIRE & IRONIE

Von Wolfram Siebeck

Der count down für das größte Abenteuer in der Geschichte der Touristik hat begonnen. Millionen Bundesbürger starren gebannt, auf den Ferienbeginn. Wenn sie am Tage Null in einer Abgaswolke verschwinden, fragt man sich, ob man jemals auch nur einen von ihnen lebend wiedersehen wird. Denn wie gefährlich Urlaubsreisen sind, daran erinnern in diesen Tagen die Zeitungen, die lange Listen mit Warnungen vor möglichen Katastrophen aufstellen, deren Lektüre eigentlich genügen müßte, jedem Leser die Lust am Reisen ein für allemal zu nehmen.

Danach erheben schon beim zaghaftesten Schritt über die Landesgrenzen teuflische Seuchen ihr schreckliches Haupt. Dem Touristen wird geraten, sich impfen zu lassen. Er hat die Wahl zwischen Pocken, Cholera, Gelbfieber, Typhus, Paratyphus und Kinderlähmung, und wenn er sich gegen alles gleichzeitig impfen läßt, kann er Glück haben, davon so krank zu werden, daß er zu Hause bleiben muß.

Die Überlebenschance der anderen ist gering. Sie stopfen ihre Brieftaschen mit Zusatzversicherungen voll, die sie auf keinen Fall in den Koffer legen dürfen, weil der bei der ersten Gelegenheit geklaut wird, schnallen sich die Reiseapotheke um und achten darauf, daß sie am Abreisetag nervöse Spannungen und Aufregungen vermeiden. Wie das möglich ist, wenn eine vierköpfige Familie das Urlaubsgepäck im Auto verstaut, dreimal die Wasserhähne kontrolliert, den Nachbarn die Menüfolge für den zurückgelassenen Dackel einhämmert – das wird nicht verraten.

Über die Kalamitäten auf der Autobahn gehen die Zeitungen taktvoll hinweg, um gleich mit den Warnungen vor Sonnenbrand und -stich weiter zu gruseln. Diese lassen wenigstens vermuten, daß unser Tourist sonnige Gefilde erreichen wird, wo es ihm allerdings von nun an ziemlich dreckig geht. Denn, ob er Eis ißt, Wasser nicht abkocht, Obst nicht schält, Olivenöl nicht verträgt oder eine Vorliebe für stinkende Fische hat – einen von fünf Urlaubern wird solcher Leichtsinn aufs Bett werfen. Kaum liegt er dort, lauern schon Fliegen, Bremsen, Wespen, Hornissen und Moskitos vor den geschlossenen Zimmerfenstern, hinter denen der Ärmste in stickiger Hitze nach Atem ringt; vielleicht nicht nur aus Luftmangel oder wegen des verdorbenen Magens, der entzündeten Impfen, des Sonnenbrands – sondern weil er vergessen hat, seine Schuhe auszuschütteln, bevor er sie anzog.

Das muß er nämlich tun, um sich vor Schlangen zu schützen. Da ihm aus gleichem Grund geraten wurde, die Hose in die Schuhe zu stecken, wird er prompt auch noch in den Finger gebissen.

Nur weil er in heimischer Erde begraben werden will, rafft er sich noch einmal auf und läuft so gut er noch kann (sein Auto ist gestohlen, die Eisenbahn streikt), die geschwollene Hand vor den schmerzenden Bauch gepreßt, von Mücken verfolgt, von Wirten geneppt, von Ärzten ausgenommen, von Seeigeln zerstochen, von Hakenwürmern angebohrt; bestohlen, verbrannt, entzündet, verseucht, gelbsüchtig und hilfesuchend zur Nordgrenze seines Gastlandes.

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Wird er es schaffen?

Siebeck, der Daheimgebliebene, schüttelt bedenklich den Kopf.

Nebbich

Endlich mal was Neues", lobte der Kritiker.

"Es war ein alter Wunsch von mir", erklärte ich.

Mein Verstand führt mich irre", sagte ich,

"Warum haben Sie sich keine Hintertür aufgelassen?", fragte der Psychiater.

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Was machen Sie da?"

"Ich ziehe Sie in Gedanken aus", sagte sie.

Ich verhüllte meine Gedanken.

Ja, du hast recht", antwortete ich.

"Wo führt denn das hin, wenn man immer recht hat", beklagte sie sich.

"Verträglichkeit ist kein Scheidungsgrund", stellte der Anwalt fest.

Sie dürfen beim Singen die Zunge nicht zurückfallen lassen, Sie ruinieren Ihre Stimmhöhle" zürnte der Gesangslehrer.

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Ich streckte sie heraus.

Er summte. Ben Witter

Der Zeitgenosse

Der alte Menschheitstraum vom Fliegen scheint für uns lange Wirklichkeit.

Man fliegt geschäftlich, zum Vergnügen, man fliegt verteidigungsbereit.

Man fliegt und bastelt dabei munter an immer beßre Schwingen hin.

Und fliegt auch immer noch mal runter wie jener Schneider zu Beginn.

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Der Zeitgenosse folgert klar:

Ganz werden Träume selten wahr.

Dieter Höss

Neues aus Kalau

Ein Mann geht über den Friedhof und liest auf einem Grabstein: "Hier ruht Karl Schultze, ein guter Vater und ein frommer Mann."

"Wie die Schotten", murmelt er, "gleich drei in einem Grab."

Ich möchte acht Schachteln Mottenkugeln haben", bittet der Mann den Kaufmann.

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"Ihre Frau hat doch gestern gerade zehn Schachteln gekauft."

"Ich weiß, aber wir haben mindestens schon tausend Kugeln geworfen und noch keine einzige Motte getroffen."

Ein junges Mädchen geht zur Berufsberaterin.

"Wie wär’s denn mit Stewardeß?"

"Nicht schlecht, sicher eine gute Chance, Männer kennenzulernen."

"Das sollte nicht ausschlaggebend sein. Männer trifft man doch auch in anderen Berufen."

"Aber nicht angeschnallt."

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Randspalten-Lyrik

Von Joachim Schwedhelm

Westmann im Einsatz

Nach mühsam errungenen ideologischen Siegen

über die blaue Ameisenbrut

war Westmann doppelt auf der Hut

vor den berüchtigten Mao-Tse-Tse-Fliegen,

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die scharenweise in sein Gebiet einzogen

und verderbliche rote Büchlein einflogen.

Wie ein auf dem Kriegspfad befindlicher Apatsche

schlich Westmann zu möglichen Einflugschneisen,

um mittels einer Mao-Tse-Tse-Fliegenklatsche

die Plagegeister entschieden zurückzuweisen

und ihnen Westmanns Leviten zu lesen.

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Als er vernahm ein verdächtiges Summen,

brachte er schlagend sich selbst zum Verstummen.

Was ist nur in seinem Kopf gewesen?

Forschungsergebnisse

In ihrem Käfig fraßen dreißig beherzte

Versuchsmäuse, vorschriftsmäßig in Weiß

wie ihre Brotgeber, die Herren Ärzte,

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ihre alltägliche Handvoll Mais,

angereichert mit gefährlichen Viren,

die es galt, exakt zu studieren.

Da jedoch quicklebendig blieben die Nager,

hielten die Forscher sie für Versager,

gegen Krankheitserreger immun.

Was blieb ihnen also anderes zu tun,

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als sie weiter zu testen,

mit mehr Mais sie zu mästen,

bis sie an Fettsucht gingen ein.

Ergebnisse müssen schließlich sein.