Bedeutende Fortschritte bei der Suche nach einem Impfstoff gegen die Syphilis glaubt eine polnische Arbeitsgruppe unter der Leitung des weltbekannten Immunologen Mieczyslaw Metzger an der Universität Wroclaw (Breslau) erreicht zu haben.

Im frühen Stadium läßt sich die Geschlechtskrankheit wirksam, zum Beispiel mit Penicillin, behandeln. Doch ist es bislang noch nicht gelungen, den menschlichen Körper immun gegen Syphilis zu machen, deren Verbreitung seit einigen Jahren wieder in steigendem Maße zunimmt.

An der Suche nach dem Impfstoff gegen die paralysierende Infektion, an der allein in der zweiten Hälfte des Jahres 1970 in der Bundesrepublik 3139 Personen erkrankten, sind schon seit geraumer Zeit Forschungsinstitute in vielen Ländern beteiligt. Als potentieller Spender für ein Syphilisvakzin gilt das Kaninchen.

Infiziertes Kaninchengewebe ist auch der Ausgangsstoff für die Experimente des polnischen Wissenschaftlerteams gewesen. Der Syphiliserreger Treponema pallidum, so erklären die Forscher, trage auf seiner Oberfläche ein äußerst empfindliches Antigen. Das Problem sei es, diesen Stoff, der die Abwehr des Organismus gegen den Erreger mobilisiert, unzerstört zu gewinnen. Dieses sei ihnen gelungen, indem sie das Gewebe in eine Penicillinlösung gebracht und über Nacht gefroren hätten. Dadurch sei zwar die krank-, heitserregende Wirkung des Bazillus ausgeschaltet, nicht jedoch seine Eigenschaft genommen worden, den Abwehrmechanismus des Körpers gegen den Syphiliserreger in Gang zu setzen. Bei Kaninchen hat sich ein aus diesen „sanft abgetöteten“ Treponemata hergestellter Impfstoff als wirksam erwiesen. An Menschen freilich kann er erst erprobt werden, wenn er völlig frei von Eiweißstoffen aus dem Kaninchenkörper ist. Diese Reinigung, aber ist keineswegs etwa nur ein Routineproblem, betont Professor Metzger.

Versuche, etwa durch Bestrahlung des Syphiliserregers seine Virulenz zu zerstören, hingegen seine Antigenität zu erhalten, haben bisher noch nicht zum Erfolg geführt. Andere Wissenschaftler hoffen, Impfstoffe aus Treponema-Arten herstellen zu können, die mit dem Syphiliserreger eng verwandt, aber harmlos sind.

So erwünscht die Entwicklung eines Syphilisvakzins ist – einen Nachteil würde sie in jedem Fall mit sich bringen: Blutuntersuchungen, wie zum Beispiel die Wassermannprobe, mit denen die Syphilis nachgewiesen wird, würden auch bei geimpften Personen positiv ausfallen und aus diesem Grunde den diagnostischen Wert solcher Tests herabsetzen. V. G.