Manche Firmen haben eine recht eigenwillige Auffassung von Öffentlichkeitsarbeit. Die Presse ist willkommen, solange es darum geht, für das eigene Haus und seine Produkte zu werben, sie wird aber als lästig empfunden, wenn nach wichtigen wirtschaftlichen Daten gefragt wird.

Ein Musterbeispiel für falsch verstandene Öffentlichkeitsarbeit lieferte jüngst das renommierte Haus 4711, eines der großen deutschen Unternehmen in reinem Familienbesitz. Es stellte mit viel Aufwand eine neue Parfümserie vor, mit der es die Frauen beglücken will. So gern man sich dabei über Marktchancen und Qualität des neuen Duftwässerchens äußerte, so schweigsam wurde man, als es um Kosten, Investitionen und Umsatz des Hauses ging. Dabei handelt es sich immerhin um das größte deutsche Unternehmen der Körperpflegemittel-Branche mit einer gepflegten Familienlegende. Nicht einmal eine klare Auskunft über die Zahl der Arbeitsplätze war zu erhalten.

Selbst der Hinweis, daß ein Unternehmen dieser Größenordnung auf Grund des neuen, Publizitätsgesetzes vom kommenden Jahr am ohnehin seine Bilanzen veröffentlichen muß, verfing nicht. Verkaufs- und Marketingdirektor hüllten sich weiter in Schweigen. Offensichtlich aber haben Firmen mit dieser Art Öffentlichkeitsarbeit immer noch Erfolg. Sonst wären solche Mißstände längst abgestellt. mh