Denn verstört waren Kurgäste zum Beispiel, als vor Jahren die Westerländer ein Experiment mit Körben wagten, die nur noch den Zweck mit ihrem Vorbild gemein hatten. Sie stellten Sitzwannen aus Kunststoff auf, die jedoch auf geschlossene Ablehnung der Badegäste stießen. Zudem erwiesen sich die Kunststoffgebilde als unpraktisch. In praller Sonne brachten sie ihre Insassen zum Schmoren, und gab es Sturm, so hatte der Wind mit ihnen ein weit leichteres Spiel als mit den geflochtenen Kollegen. Denn ein Korb, der in trockenem Zustand einen bis anderthalb Zentner wiegt, bringt bei Sturm und Regen schnell das Doppelte auf die Waage, wenn sein Geflecht mit nassem Sand vollgeweht ist.

Erst neuerdings gelingt dem Kunststoff in einer anderen Form der Einbruch in die Rohrdomäne. Nämlich als rechteckige PVC-Leiste, die man ebenfalls flechten kann. Das Kunststoffgeflecht ist luftdurchlässig, sorgt also für ein angenehmes Klima im Korb und auch dafür, daß die Markisenausstattung bei Feuchtigkeit nicht muffig wird. Theoretisch könnte man diese Körbe in allen bunten Farben schillern lassen, doch die Tradition siegte bislang auch hier. Gewünscht wird der gelbe Farbton des Original-Korbgeflechts. Man weiß, was man dem Badegast schuldig ist.

Selbstverständlich bleibt auch in PVC Opa Falcks Strandkorbarchitektur voll erhalten. Die Frage nach Neuerungen ist der Branche unverständlich. So kann der deutsche Bädergast weiterhin beruhigt an die Küste reisen. Poppige Ohrensessel mit Kühlfach und Vorgarten stehen nicht ins Haus. "Allenfalls", so Edgar Fricke, "wird das Rohrskelett irgendwann mal aus Aluminiumrohren gefertigt werden."

Edgar Fricke ist ein stattlicher Mann mit dem Bart der Friesenfischer, obwohl er aus Hamburg stammt: "Ich war damals verheiratet und in der Schiffahrtsbranche tätig. Mein Schwiegervater kannte den Strandkorbvermieter in Timmendorf. Der machte jeden Winter eine Weltreise, sagte er. Das war vor 23 Jahren. In jenem Sommer fuhr ich nach Hörnum in die Ferien. Ich wollte einen Strandkorb mieten, doch es gab keine in Hörnum. Sie hätten noch niemanden gefunden, der Strandkörbe vermietete, hieß es. Da sagte ich, fein, das mache ich, ich bleibe hier."

Er fing allerdings nicht mit Strandkörben, sondern mit Liegestühlen an. Die waren billiger. Doch niemand wollte sie mieten. Korb bleibt Korb. Fricke fand eine Lösung. Er fuhr zur HADAG, die bereits wieder ein Seebäderschiff von Hamburg aus betrieb, und vereinbarte, daß er seine Liegestühle auf eigene Rechnung an Deck dieses Schiffes vermieten konnte. Nach zwei Jahren beschloß die HADAG, das Geschäft mit den Liegestühlen selbst zu machen. Sie kaufte Fricke das ganze Lot ab, und Fricke investierte dieses Geld in seine ersten siebzig Strandkörbe.

"Im ersten Sommer habe ich keine dreitausend Mark eingenommen. Dasreichte gerade eben zum Leben. Da habe ich noch jeden Strandkorb selbst auf dem Buckel durch den Sand geschleppt." Das kann ihm heute nicht mehr passieren. Inzwischen besitzt er in Hörnum, Keitum und Rantum insgesamt 1300 Körbe, das Stück zu rund 500 Mark. Fünf. Leute stehen in seinen Diensten, drei von ihnen auch im Winter. Dann setzen sie die Korbflotte instand. Sie verdienen etwa elfhundert Mark Gehalt im Monat und haben sechs Wochen Jahresurlaub, weil die Woche in der Saison natürlich für sie sieben Arbeitstage hat. Über ihre Nebeneinkünfte spricht man nicht.

Auch wenn ein Korb äußerlich wie innerlich noch intakt ist, beansprucht er zu jedem Saisonbeginn fünf bis sechs Arbeitsstunden für den Frühjahrs-Hausputz. Er wird aus der Lagerhalle geholt, gründlich ausgebürstet, mit Klarlack gespritzt, wieder in die Halle hineingetragen und je nach Fortschritt der Saison an den Strand gestellt, wo er geschrubbt, gespült und trockengelegt wird. Das Schrubben ist notwendig, weil selbst bei sorgfältigster Pflege und Lagerung die salzig-feuchten Strandkörbe den Winter über in der.dunklen Lagerhalle Spakflecken ansetzen.