Frickes Körbe stellen ein Vermögen von einer halben Million Mark dar. Die Haie für die Winterlagerung kostet noch einmal soviel. Zwanzigtausend Mark hat er in einen Schlepper und einen Anhänger investiert. Mit dem Anhänger transportiert er die Körbe, der Schlepper zieht das Gefährt und wird auch für die Strandreinigung eingesetzt.

Zwar reicht die Saison vom April bis zum Oktober, also ein gutes; halbes Jahr, doch trotzdem ist im Schnitt jeder Korb nur 50 Tage pro Jahr vermietet. In zwei Jahren sind die Anschaffungskosten also wieder drin. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Strandkorbes am Nordseeufer beträgt hingegen fünf Jahre. Ein rundes Geschäft?

Für Fricke ist das eine Milchmädchenrechnung. Man kann auch genauer rechnen. Tausenddreihundert Körbe bringen ihm dreihunderttausend Mark Jahresumsatz. Obwohl er seine Körbe pflegt, müssen jährlich, für rund achtzigtausend Mark neue Körbe angeschafft werden. Die Lohnkosten betragen fünfzigtausen Mark, und rechnet man noch einmal zwanzigtausend Mark für Reparaturmaterial hinzu, so ist die Hälfte des Jahresumsatzes schon wieder dahin.

Trotzdem verbleiben noch hübsche hundertfünfzigtausend Mark. "Das Risiko!", gibt der Fischerbart zu bedenken. In der Tat ist das Sturmrisiko so groß, daß zum Beispiel die Kurverwaltung von Westerland keine deutsche Versicherungsgesellschaft mehr findet, die bereit wäre, ihr die Strandkörbe zu versichern. "Auch mich wollten sie rauswerfen, und die Prämien sind so hoch, daß ich mir eine Versicherung nur mit hoher Selbstbeteiligung leisten kann." Fricke unterhält einen Einsatzkreis von zehn freiwilligen Helfern, die bei Sturmgefahr zur Bergung der Strandkörbe eingesetzt werden. Für drei Stunden Arbeit bekommen sie dreißig Mark pro Mann plus Essen und Getränke. "Früher", so Fricke, "als die Leute noch mehr Zeit hatten, freuten sich auf eine Sturmflut, weil es dann frei zu saufen gab."

Die Westerländer Kurverwaltung, die fast dreimal soviel Strandkörbe wie Fricke unter sich hat, greift bei akuten Sturmwarnungen auf Bauarbeiter, Gärtner, Straßenkehrer und auch Bundeswehrsoldaten zurück. Drei- bis viermal im Jahr, so rechnet Westerlands Kurgeschäftsführer Enkhardt, fallen Großeinsätze an, in denen 150 Leute beschäftigt werden, was zwölf- bis vierzehntausend Mark kostet. Trotzdem sind den Westerländern im vergangenen Jahr in einer Herbstnacht hundertvierundzwanzig Strandkörbe von der See zerschlagen worden: "Der Sturmwarndienst war wohl nicht einwandfrei. Das Hochwasser wurde nicht gemeldet. Gott sei Dank hatten wir nur noch fünfhundert Körbe unten." Wenn das Wasser kommt, setzen sich die Körbe voll nassen Sand, graben sich tiefer in den Strand und werden dann von den heranrollenden Seen zerschlagen. Der größte Sylter Strandkorbschaden traf Kampen. Dort sind einmal dreihundert Körbe auf einen Schlag davongeschwommen.

Fricke blieb bislang von solchen Katastrophen verschont. Trotzdem sprach er in sein Bierglas: "Am liebsten ist es mir, wenn der 30. September da ist und alle sind im Stall und die Mäuse auf der Bank."

Konkurrenz hat der Privatunternehmer Fricke keine: "Wer jetzt noch irgendwo Strandkörbe aufstellen will, müßte an einen unkonzessionierten Strand gehen, ohne Aufsicht und ohne Pflege. Das soll er ruhig machen. Er wird lange warten können, bis er seine Körbe vermietet." Wahrscheinlicher ist, jedoch, daß sie ihm, zumindest an der Nordsee, bei der ersten besten Sturmflut davonschwimmen. Denn die Strandkorbaufsteller an der Nordseeküste gehen bei ihrer Standortwahl nicht nach der Qualität des Sandes, der Kürze des Anmarschweges, der Schönheit der Dünen oder gar der Qualität des Publikums. Sie richten sich in erster Linie danach, ob der Strand sicher ist oder ob hier die Körbe öfter als anderswo geborgen werden müssen. Die Konzessionen für diese Plätze sind nicht verkäuflich. In Hörnum hält Fricke die Konzession fest in der Hand. Jener Kurdirektor, der ihm seinerzeit in Hörnum sagte, man suche einen Strandkorbvermieter, ist heute Hörnums Bürgermeister. Sie sind sozusagen, zusammen groß geworden.