Die Union hat einige wirtschaftspolitische Programme und viele Nachfolge-Kandidaten für Karl Schiller. Freilich: Weniger wäre mehr.

Dieler Piel:

Auch Parlamentsferien sind in Bonn nicht mehr das, was sie einmal waren: Zeiten des sehr gedämpften Parteienstreits, die sich schon vor Ferienbeginn durch leisere Tonart ankündigten.

Unmittelbar vor den jetzigen Ferien jedenfalls standen eine weitere Konjunkturdebatte des Bundestages und der Wirtschaftstag der CDU und CSU. Es waren von den Unionsparteien selbstgewählte Gelegenheiten, sich wirtschaftspolitisch zu profilieren und dem unsicheren Wähler eine Alternative anzubieten.

CDU und CSU, das haben die unruhigen Bonner Abschiedstage gezeigt, haben mindestens so viele durchaus ernst zu nehmende Bewerber für das Amt des Wirtschaftsministers wie Aspiranten für die Kanzlerschaft. Unter den möglichen christdemokratischen Nachfolgern des Sozialdemokraten Karl Schiller hat sich der nunmehr intensiver in die Fraktionsarbeit eingespannte Franz Josef Strauß erneut als Primus dargestellt. –

Etliche andere haben auf dem Wirtschaftstag ebenfalls versucht, Boden, zu gewinnen. Jeder auf seine Art freilich, und mit von Person zu Person und von Fall zu Fall unterschiedlichen Ansichten. Die Unionsparteien sind sich also selbst treu geblieben.

Die Konjunkturpolitik der Bundesregierung sieht Strauß – im „Fiasko“ enden, während sein Parteifreund Hermann Höcherl sie zwar als zu spät begonnen, aber ansonsten immerhin richtig befindet. Während sich Strauß „bereit“ zeigte, „dieser Regierung jede sinnvolle Hilfe zu leisten, wenn es darum geht, die Stabilität wiederzuerlangen“, ließ sich sein Fraktionsgenosse Hans Katzer auch durch Bedenken in der eigenen Fraktion nicht daran hindern, für die Sozialrentner im kommenden Jahr über die geplanten 6,3 Prozent hinaus weitere fünf Prozent Rentenerhöhung zu beantragen.