ZEITSPIEGEL

"Wir Deutschen müssen gute Organisatoren sein. Wir sind zu blöd zum Improvisieren."

Hans Klein

Olympia-Pressechef für München 1972

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"Karl sieht im weißen Smoking tatsächlich nicht aus wie ein verkrachter Theologiestudent, der zum Schulbuchverleger reüssierte."

Walter Henkels

Bonner FAZ-Chronist über Karl. Schiller

ZEITSPIEGEL

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"Segne Städte, Inseln, Dörfer und Klöster, die unter der Touristenwelle leiden..., schütze unsere Brüder, die den Gefahren des modernen Geistes dieser neuzeitlichen Eindringlinge aus dem Westen ausgesetzt sind."

Bittgebet

griechischer orthodoxer Nonnen und Mönche

zu Beginn der Sommersaison

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"Malta wird niemals Jalta."

ZEITSPIEGEL

Dom Mintoff

maltesischer Ministerpräsident

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"Opas Europa ist tot."

Walter Scheel

Bundesaußenminister

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ZEITSPIEGEL

"Heterosexualität ist heilbar."

Protestplakat

demonstrierender Homosexueller in New York

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"Wenn mir jemand die Schuhe auszieht und an meinen Zehen Hühneraugen entdeckt, dann soll er auch die Warzen an der Nase des anderen nicht übersehen."

Rainer Candidus Barzel

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ZEITSPIEGEL

"Wir müssen immer wieder das rechte Maß finden, was in unserer Geschichte zu oft zu schwergefallen ist." Willy Brandt

Rheinschiffer Pompidou

Der französische Staatspräsident Pompidou wird wahrscheinlich seinen 60. Geburtstag auf deutschem Boden feiern. Deshalb will Bundeskanzler Brandt seinen französischen Gast, der zu den üblichen Konsultationen im Rahmen des Freundschaftsvertrags in die Bundesrepublik kommt, nicht auf dem Bonner Flughafen, sondern in Mainz empfangen und mit ihm von dort zu Schiff durch das romantische Rheintal bis Koblenz fahren. Als Geburtstagsgeschenk für Pompidou ist ein Gemälde von Max Ernst ausgewählt worden.

Katzenjammer

Die konservative britische Unterhausabgeordnete Jill Knight, die zu einer Informationsreise nach Pakistan eingeladen wurde, durfte den verhafteten Führer der Bengalen, Scheich Mujibur Rahman, nicht sehen. Mrs. Knight gab sich mit der Absage zufrieden, zumal sie erfuhr, Mujibur Rahman werde als Erste-Klasse-Gefangener behandelt, lebe in einem Bungalow mit Ventilatoren an den Wänden und habe sich sogar einen Papagei halten dürfen, dem er das Sprechen beibringen wollte. Bedauerlicherweise sei der Vogel jedoch einen Tag vor ihrer Heimreise von einer Dorfkatze gefressen worden.

Bahnhof-Parole

Polens satirische Zeitschrift Szpilki mokiert sich in ihrer letzten Ausgabe über den Warschauer Zentralbahnhof: "Als einmalige Sensation gilt die übergroße, bereits ein wenig verblichene Aufschrift an der Wand: Keine Atomwaffen für westdeutsche Revanchisten! Der Inhalt dieses Appells verwundert weiter nicht; die Platzwahl stimmt nur etwas nachdenklich. Es dürfte ziemlich unwahrscheinlich sein, daß ein Revanchist bei Ankunft auf dem Zentralbahnhof, von dieser Parole getroffen, seine Siebensachen zusammenpackt und verstört nach Essen zurückfährt. Denn über die örtlichen Stammgäste des Bahnhofes brauchen wir uns keine Sorgen zu machen; sie geben sicherlich niemandem Atomwaffen in die Hand. Auf eine Dienstreise nach Skierniewice oder Hrubieszow nimmt man doch keine nuklearen Sprengköpfe mit. Es wäre ein recht unhandliches Gepäck."

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Zug um Zug

Die Bundesbahn will in den nächsten drei Jahren zusätzlich 1,8 Milliarden Mark zur Erhöhung der Sicherheit ausgeben. Wie Hans Apel, Vorsitzender des Bundestags-Verkehrsausschusses, sagte, fiel die Entscheidung "unter dem Eindruck der Katastrophe von Radevormwald". Ein erster Schritt zur Sicherung der Nebenstrecken: Mit Handsprechfunkgeräten sollen sich Fahrdienstleiter und Zugführer künftig verständigen können. Genau das hatte die ZEIT vor drei Wochen gefordert.

Saubere Sache

Sozialistische Aufbauarbeit leistet das DDR-Fernsehen. In einer Kindersendung wurde ein Soldatenlied eingeübt: "Die Dir Dein Gewehr gegeben, sie bitten Dich, hab’ darauf acht / Es ist mehr als nur ein Stück Metall. Es ist ein Stück von unserer Macht / Die Dir Deine Kaserne bauen, sie wünschen, daß drin Ordnung ist / An der Ordnung, die Du schaffst, erkennt man, wer Du bist / Die Dir Deine Uniform nahen, sie bitten Dich, halt sie rein / Der Anzug eines Volkssoldaten soll sauber wie die Sache sein."

Wozu ist die Straße da

Drei Landstreicher – Frans Ooms, Edgar Versyp und Jecques De Wilde – gewannen einen seit fünf Jahren andauernden Prozeß gegen den belgischen Staat. Die drei Vagabunden waren bei Brüssel, Namur und Charleroi aufgegriffen und ohne viel Federlesens ins Gefängnis gewandert. Ohne voneinander zu wissen, hatten sie sich mit Petitionen an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg gewandt. Der Spruch des Gerichts: Niemand darf, weil er nicht arbeiten und keinen festen Wohnsitz hat, eingesperrt werden.