Daß die japanische Ehefrau ihrem Ehemann im Bade den Rücken schrubbe, ist eine schöne Legende. Wie alle Legenden hat sie einen wahren Kern.

In Europa geschehe es des öfteren, so hört man, daß eine Ehefrau ihrem Hund hingebungsvoll den Rücken kraule, nicht aber, daß sie das gleiche bei ihrem Ehemann tut. Das liegt ganz einfach daran, daß die europäische Frau sehr bewußt zwischen Ehemann und Hund unterscheidet.

Die japanische service industry hat eine alte Tradition und legt Wert auf höchste Perfektion. Ein Teil des ausgeklügelten Kundendienstsystems im Hotel- und erweiterten Unterhaltungsgewerbe ist jenes berühmte Schrubben von Kundenrücken durch zarte Frauenhand.

Da steigt ein müder Geschäftsmann nach langem, anstrengendem Tageswerk behutsam ins heiße Bad. Dort sitzt er nun bis zu den Schultern eingetaucht und schließt behaglich die Augen. Das ist gut so, denn in dem weißen, ihn umhüllenden Dampf sieht er sowieso nicht viel – vielleicht ist er auch kurzsichtig von Natur.

Leise schnarrend öffnet sich die Schiebetür, und herein tritt in züchtigem, kimonoähnlichem Baumwollgewand – nichts darunter – der dienende weibliche Geist. Mit Schrubber. Lächelnd und geduldig steht der Geist da und wartet auf Anweisungen.

Lässig öffnet im Bade der Kunde ein Äuge. Knurrend dreht er sich um und hebt den Rücken aus dem Wasser. Das ist das Signal zum Start. Mit geübten und trotzdem liebevollen Händen streichelt die Schrubberin über den Rücken des Gastes. Dieser redet sich, rekelt sich, dreht ihr zur Abwechslung die Flanken und dann seine Bauchseite zu und läßt sich anschließend wieder wie ein Hippopotamus ins heiße Wasser gleiten. Bald aber hat er genug Hitze in sich aufgesogen und entsteigt krebsrot und tropfend dem dampfenden Bad. Der dienende weibliche Geist erwartet ihn mit einem geöffneten Handtuch und reibt ihn rundum trocken. Er läßt es sich gerne gefallen.

Des Bades zweiter Teil besteht in der Massage. Die Rückenpartien des Kunden werden ordentlich durchgewalkt, und seine Glieder werden gelockert.