In den letzten Wochen sind die Kurse der festverzinslichen Papiere wieder einmal ins Wanken geraten. Millionen von privaten Sparern haben an ihren Rentenwerten Geld verloren. Teilweise, hat sich ihr Kurswert um 6 bis 7 Prozent verringert. Dazu kommt eine Inflationsrate von annähernd 5 Prozent bis zum Jahresende. Das wird selbst durch die relativ hohen Zinsen nicht ausgeglichen. Viele Sparer, die gerade Geschmack am festverzinslichen Papier oder an einem Rentenfonds gefunden hatten, kehren jetzt zum „guten alten“ Sparkonto zurück oder wenden sich jenen Zwitterpapieren (Bundesschatzbriefe oder Sparbriefe) zu, die zwar auch eine beachtliche Verzinsung bringen, aber kein Kursrisiko kennen. Am Rentenmarkt ist wieder einmal eine Schlacht verloren worden.

War das voraussehbar? Nein, denn die Rentenmisere ist eine Folge der experimentierenden deutschen Wirtschaftspolitik, die sich wiederum aus ständig verfehlten Konjunkturprognosen ergibt. Wenn die Geldinstitute zu Beginn dieses Jahres ihre Kundschaft zum Erwerb festverzinslicher Papiere angehalten haben, dann konnten sie es mit gutem Gewissen tun. Der Zinsweg schien vorgezeichnet: Die Bundesbank tat alles, um den Kapitalzins von seinem seinerzeit exotischen Niveau herunterzubringen. Sie hoffte auf diese Weise den Zustrom ausländischen Kapitals in die Bundesrepublik zu drosseln.

Das ging schief. Wie wir heute alle wissen, meine verehrten Leser, wurde zur gleichen Zeit in Bonn schon Stimmung für eine Markaufwertung gemacht. Das internationale Kapital horchte auf und schickte seine liquiden Mittel in die Bundesrepublik, um vom zu erwartenden Aufwertungsnutzen zu profitieren.

Die Rechnung ging mit der Freigabe des Wechselkurses der Mark teilweise auf. Nach diesem Schritt zog die Bundesbank die Kreditzügel wieder an. Sie will der Bundesregierung Schützenhilfe bei der Wiederherstellung der Währungsstabilität geben.

Wir wollen uns an dieser Stelle, meine verehrten Leser, nicht über die Zweckmäßigkeit solcher Wechselpolitik unterhalten, sondern den Versuch wagen, in die Zukunft zu sehen. Da diese Zukunft mit dem Konjunkturverlauf eng verbunden ist und niemand sagen kann, wie weit sich die Bundesregierung aus politischen Rücksichtnahmen eine wirkliche Konjunkturabkühlung leisten will, tappen die Rentenexperten im dunkeln.

Eines scheint mir ziemlich klar auf der Hand zu liegen: Den Zinsgipfel haben wir noch nicht erreicht. Das kann im Herbst geschehen, wenn die Bankenliquidität allein schon aus saisonalen Gründen hart in Anspruch genommen wird.

Deshalb: Zum Achteinhalbprozenter fehlt nur noch wenig. Die relativ erfreuliche Nachfrage nach der neuen 8prozentigen Anleihe der Kreditanstalt für Wiederaufbau (Rendite 8,23 Prozent) ist kein wirkliches Indiz für die Situation am Rentenmarkt. Die Unterbringung der Anleihe wird erleichtert durch den großen Zinstermin vom 1. Juli, der Milliardenbeträge an Zinsen freigesetzt hat, zum anderen durch das Ansehen des Instituts in Anlegerkreisen.