Von Klaus-Peter Schmid

Jedesmal wenn Washington die Finanzexperten seines Verteidigungsministeriums nach Bonn schickt, droht der deutschen Staatskasse Gefahr. Denn die Emissäre des Pentagon präsentieren stets die gleiche Rechnung: Sie wollen Geld für Sicherheit, jedesmal ein paar Milliarden Deutsche Mark für das Privileg, von US-Soldaten gegen Aggressionen unliebsamer Nachbarn geschützt zu werden.

Alljährlich scheint das deutsch-amerikanische Verhältnis gefährdet, sobald um die leidigen Devisenausgleichs-Zahlungen gefeilscht wird. Als die Alliierten noch den Status von Besatzern hatten, existierten diese Probleme nicht: Die Bundesrepublik hatte bis zum Mai 1955, als sie ihre Souveränität erlangte, über 50 Milliarden Mark an Besatzungskosten zu zahlen.

Doch kaum stand die Bundesrepublik auf eigenen Füßen, da begann auch schon das Spekulieren um Stationierungskosten. Amerikaner und Engländer machten sich Hoffnungen auf einen Teil des von Fritz Schäffer errichteten milliardenschweren „Julius-Turmes“, mit dessen Rücklagen die Bundeswehr aufgebaut werden sollte.

Die Bündnispartner machten der Bundesregierung eine einfache Rechnung auf: Bonn habe zwar neun Milliarden Mark für die eigene Aufrüstung vorgesehen, könne aber gar nicht das ganze Geld ausgeben. Deshalb könne ohne weiteres ein Teil der Julius-Turm-Reserven als Stationierungskosten abgetreten werden.

Doch Bonn stellte sich stur, selbst dann noch, als 1956 General Eisenhower und Englands Premier Eden 2,4 Milliarden Mark forderten. Ausgaben von neun Milliarden Mark für die Bundeswehr, so argumentierte Bonn, seien genug. Als äußerste Konzession gestand die Regierung Adenauer den Amerikanern eine endgültige Abschlagszahlung mit einmaligem Charakter zu.

Aber die Pressionen aus Washington und London stimmten das Kabinett schließlich um. Finanzminister Fritz Schäffer mußte widerwillig in die Bundeskasse greifen. Die Abgeordneten gaben ihren Widerstand auf. So nannte der CDU-Haushaltsexperte Vogel im Dezember 1956 das Kind beim Namen: „Wir werden uns mit der Weiterzahlung von Stationierungskosten in irgendeiner Form wegen der von uns nicht gewollten verlangsamten Aufrüstung abfinden müssen.“