Noch ist es nicht so weit. Noch gilt das Wort des damaligen israelischen Ministerpräsidenten Moshe Sharett, gerichtet an den CDU-Abgeordneten Franz Böhm: "Unsere beiden Länder leben in ihren Beziehungen zueinander noch immer im Zeichen des Kreuzes." Und nichts an ihrem Wahrheitsgehalt hat auch die Bemerkung des israelischen Satirikers Ephraim Kishon eingebüßt: "Was Deutschland betrifft, so wurde die Logik in Auschwitz verbrannt." Nichts hat sich daran geändert, seit 1952 der Wiedergutmachungsvertrag geschlossen wurde, sich 1960 Ben Gurion und Adenauer in New York trafen, 1965 Botschafter ausgetauscht wurden und während des Juni-Krieges von 1967 antideutsche Ressentiments in Israel umschlugen in Dankbarkeit für das Mitgefühl um den bedrohten Staat.

Normale Beziehungen zu Israel? Wenn das heißt, daß sich Bonn um die Wiederaufnahme der diplomatischen Kontakte zu den arabischen Staaten bemüht, so hätten die Israelis am allerwenigsten etwas dagegen. Wenn das bedeutet, daß Bonn der UN-Formel zur Lösung des Konfliktes im Nahen Osten zustimmt, so kann Israels Regierung, die diese Formel ja selber akzeptiert hat, daraus keinen bösen Willen ableiten. Und wenn es einschließt, daß sich Bonn um ein normales Verhältnis zu den Staaten des Ostblocks bemüht, kann Jerusalem darin nicht Verrat wittern; es wäre selber nicht abgeneigt, sich wieder mit Moskau diplomatisch zu arrangieren.

Vorsicht bleibt geboten, Achtsamkeit auf Mittel und Methoden, gegenüber Erinnerungen und Empfindungen. Aber die Versuche Bonns, normale Politik zu betreiben, sollten die deutsch-israelischen Kreise nicht stören.