Rom, im Juli

Wenn aus dem Mysterium des Glaubens, von dem die Theologen sprechen, die Geheimniskrämerei seiner Verwalter abgeleitet wird, dann dürfen sich diese nicht wundern, wenn sich unter den Gläubigen Argwohn regt. So geschah es mit der lex fundamentalis, einer katholischen Kirchenverfassung, deren mehrfach überarbeiteter, selbst unter den Kardinälen der Kirchenrechtskommission umstrittener Entwurf der Vatikan den Bischöfen in aller Welt „vertraulich“ zugeleitet hat.

Natürlich sickerte von dem Text und seinem Versuch, den offenen Geist des letzten Konzils in ein juristisches Korsett zu zwängen, so viel in die Öffentlichkeit, daß sich Proteste daran entzünden konnten – sogar bei konservativen Theologen. Nur durch eine späte Flucht in die Öffentlichkeit konnte Anfang dieser Woche die römische Kurie noch dem Verdacht entgegentreten, sie wolle durch geheime Fernabstimmung vollendete Tatsachen schaffen und so die kommende Bischofssynode im Herbst überfahren. Es handele sich um „nichts als einen Vorschlag, ein Projekt, ein bloßes Arbeitspapier“, beteuerte Kommissionssekretär Onclin und beklagte sich über die „Feindseligkeit“ vieler Kommentare.

Doch selbst wenn nur ein Meinungstest beabsichtigt war, im Vatikan hat man das laute „Nein“ vor allem aus den deutschsprachigen, den Protestantismus nahen Ländern verstanden und ist zunächst zurückgewichen. Wie weit aber kann solche innerkirchliche Demokratie, die noch vor einem Jahrzehnt undenkbar gewesen wäre, tragen, da sich der Papst trotz aller Konzilsfreiheiten noch immer als Monarch versteht?

Hansjakob Stehle