Frauen kämpfen um Wahlrecht, um Gleichberechtigung, um Anerkennung. Seit dem September vergangenen Jahres tun sie solches auch auf Tennisplätzen. Die Ziele, die jene Damen zunächst vertraten, lagen allein in den finanziellen Wünschen. In diesem Sport, der so kommerzialisiert ist, wie kaum ein anderer, waren die für die Spielerinnen ausgesetzten Preisgelder weitaus geringer als die ihrer männlichen Kollegen. Man wollte mehr und schloß sich zwecks besserer Interessenvertetung in einer Nacht-und-Nebel-Aktion zu einer Gesellschaft zusammen, die als weibliches Gegenstück der „World Championship Tennis“ (WCT) der Herren gelten kann, die von dem texanischen Ölmillionär Lamar Hunt kontrolliert wird.

Nicht Grund, aber Anlaß dazu war ein Streit, der im Herbst vergangenen Jahres in Los Angeles ausbrach. Bei diesem von dem ehemaligen Wimbledonsieger Jack Kramer organisierten Turnier, der übrigens als Vater des moderneren Berufsspielertums im Welttennis gelten kann, sollte der Sieger der Herren 12 500 Dollar bekommen, die beste Dame nur 1500 Dollar. Die erste Reaktion Kramers auf die Drohung der streitbaren Damen, dann der Veranstaltung fernzubleiben, war nicht besonders gentlemanlike. Kramer erklärte kurzerhand: „Dann sollen sie eben wegbleiben. Ich werde das dadurch gesparte Geld eben auch auf die Herren verteilen!“ Der bösen Worte wurden beiderseits noch viele gewechselt. Die Damen fühlten sich stark genug: Immerhin waren in Los Angeles nicht weniger als acht der zehn Besten aus der Weltrangliste vorhanden – Margaret Court, Billie Jean King, Nancy Richey, Rosa Maria Casals, Virginia Wade, Kerry Melville, Judy Dalton und Peaches Bartkowics. Nun hätte ein einfaches Fortbleiben nicht nur eine Sperre des Verbandes zur Folge gehabt, sondern den Mädchen wäre wohl auch das Geld ausgegangen.

In dieser nicht besonders guten Situation kam ihnen Gladys Medalie Heldman zu Hilfe, Herausgeberin des Magazins „World Tennis“ und als Frauenrechtlerin in den USA nicht ohne Ruf. Mrs. Heldman entzog die Damen zunächst einmal der Gerichtsbarkeit des Verbandes, indem sie als Promoterin ihnen allen Proforma-Profiverträge anbot, die ihnen in der Woche einen Betrag von einem Dollar garantierten Nach vielem Hin und Her fand man in Houston eine Zigarettenfirma, die sich bereit erklärte, für ein reines Damenturnier 5000 Dollar auszuwerfen. Bis jetzt hat man vierzehn Turniere veranstaltet, bei denen es insgesamt 200 000 Dollar zu gewinnen gab. Es hat sich herausgestellt, daß die Zuschauer auch diese Veranstaltungen besuchen. Man hat jetzt 25 Spielerinnen aus fünf Ländern unter Vertrag.

Neben den Regeln dieser Zirkustruppe, die unter anderem vorschreiben, wieviel Geld ein Veranstalter auswerfen muß, vertritt man allerdings nun auch Meinungen, die über den ursprünglichen Sinn weit hinausgehen. Die Gruppe trägt den Namen „Woman Liberation Tennis Group“ (Frauen-Befreiungs-Tennis-Gruppe) und äußert sich so, daß das Wörtchen „Tennis“ dabei völlig überflüssig erscheint. Die Amerikanerin Julie Heldman, Weltranglistenspielerin und Tochter jener Magazin-Herausgeberin, erklärte: „Das einzige, was ein Mädchen verkaufen darf, ist ihr Körper – als Mannequin, als Prostituierte. Wenn wir unsere athletischen Kräfte dazu benutzen, Geld zu verdienen, gelten wir als hart oder maskulin!“

Rosa Maria Casals, eine Großnichte des Cellisten, beklagt sich bitter über Funktionäre: „Denen ist doch nur daran gelegen, gute Herren zu fördern. Wir sind ihnen doch völlig egal!“

Krystie Pigeon, ein recht stabiles Mädchen, möchte die Probleme mittels zwanzigjähriger Lebenserfahrung lösen: „Man sollte Babys aus Reagenzgläsern ziehen können!“ Der inzwischen 43jährige Pancho Gonzales, in den fünfziger Jahren bester Spieler der Welt, schenkte Fräulein Heldman einen schwarzen Handschuh, die Gedankenverbindung zur „Black Power“-Bewegung damit ironisierend. Der blonde Hüne Stan Smith, der jetzt in Wimbledon endlich ein neues Gesicht unter all den meist schon alternden Stars war, erklärte mit der Argumentation aus den Tagen des Wilden Westens: „Eine Frau sollte zu Hause bleiben und Babys bekommen. Ich glaube, daß die Ziele dieser Gruppe zu weit gehen!“

Während derartige Aussagen eher als Bestätigung für die Bemühungen der tennisspielenden Befreiungsrechtlerinnen gelten können und auch gerne zitiert werden, werden die Damen viel mehr durch die Äußerungen verunsichert, die ihnen von ihren Geschlechtsgenossinnen zuteil werden. Die mächtige Australierin Margaret Court, seit nunmehr fast zehn Jahren eine der besttrainierten Athletinnen der Welt und – übrigens verheiratet – gerade aus diesem Grunde am ehesten als „maskulin“ angesehen, meinte hausfraulich: „Ich verdiene natürlich auch gerne Geld, aber wir sind nun einmal anders als die Männer. Ich meine, wir sollten deswegen auch weniger bezahlt bekommen. Es macht mir nichts aus. Außerdem würde ich nie mit der Profigruppe reisen, weil ich dann jede Woche gegen die gleichen Gegnerinnen zu spielen hätte.“