Die Schülerin war ratlos: Auf die Frage, welche Vorstellungen sie von ihrem künftigen Beruf – Bankkaufmann – habe, blieb sie eine Antwort schuldig. Ein angehender Fernsehtechniker zog nach zwei Jahren Lehrzeit ein bitteres Fazit: Bislang hatte er nur gelernt, wie man Fernsehantennen an- und Autoradios einmontiert. „Ausbeutung statt Ausbildung“, klagte er. Und die Frage: „Wie bist du auf den Beruf gekommen?“ brachte Hauptschüler wie Lehrlinge zu der Erkenntnis, daß eher ein „dummer Zufall“ als gründliche Information ihre Berufswahl bestimmten.

Diese bittere Bilanz zog die Essener Lehrlings-Arbeitsgemeinschaft in einem Fernsehfilm, den sie im neuen Jugendmagazin „Direkt“ letzten Sonnabend im ZDF vorstellte. Die jungen Essener brachten nüchtern und ohne Emotionen ins Bild, was viele Schüler und Lehrlinge bewegt.

Eine solche „direkt“ geäußerte Kritik wird viele gleichaltrige Zuschauer über die Probleme der Berufswelt besser informiert haben als manche andere Sendung, die von Erwachsenen für Erwachsene gemacht wird. Die neue Jugendsendung kann aber auch Erwachsenen empfohlen werden, die direkt oder indirekt mit jungen Leuten zu tun haben: Eltern, Lehrer, Ausbilder, Politiker und Wirtschaftler. Denn auch künftig werden zur Hauptsache junge Leute selbst in eigener Regie mit ihren eigenen Problemen zu Wort und ins Bild kommen. gf