Die Pläne zur Steuerreform haben auch die Kämpfer für eine Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand wieder auf den Plan gerufen.

Einig sind sich Regierungsparteien und Opposition, Arbeitgeber und Gewerkschaften darin, daß die Arbeitnehmer künftig stärker am Produktivkapital beteiligt werden sollen.

Uneinig sind sie darüber, in welcher Form das geschehen soll. Dies sind die jüngsten Vorschläge:

Bundesregierung. Die Unternehmen sollen an einen Fonds eine Vermögensabgabe leisten, die entweder nach den Investitionen oder – bei Banken und Handel – nach dem Ertrag bemessen wird. Geplantes Aufkommen jährlich vier Milliarden Mark. Die Arbeitnehmer erhalten Fonds-Zertifikate, jährlich für etwa 200 Mark.

Freie Demokraten. Die Vermögensabgabe soll nach dem Wertzuwachs der Unternehmen berechnet und von einem überbetrieblichen Fonds verwaltet werden. Aufkommen: vier Milliarden Mark. Bis zu einer noch festzulegenden Einkommensgrenze soll jedermann gegen eine gewisse Eigenleistung Zertifikate erwerben können. Niemand soll zur Vermögensbildung gezwungen werden.

Katholische Arbeitnehmer – Bewegung (KAB). Unterstützt wird der Burgbacher-Plan der CDU, der für jeden Arbeitnehmer einen Beteiligungslohn von monatlich 20 Mark vorsieht. Sparprämiengesetz und 624-Mark-Gesetz sollen erhalten bleiben.

Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Eine gesetzliche Regelung wird abgelehnt. Das 624-Mark-Gesetz soll nach den wirtschaftlichen Möglichkeiten der einzelnen Branchen durch Tarifvertrag ausgenutzt werden. Bei den Anlageformen sollte auch das „Arbeitnehmer-Darlehen“ begünstigt werden, das Arbeitnehmern eine Beteiligung am Produktivvermögen ermögliche.

Das 624-Mark-Gesetz wird nach Angaben der Bundesregierung gegenwärtig von 14,5 der rund 27 Millionen Erwerbstätigen genutzt. Zehn Millionen Arbeitnehmer sparen auf Grund von Tarifverträgen jährlich im Durchschnitt 220 Mark; 4,5 Millionen legen von sich aus einen Teil ihres Arbeitslohns vermögenswirksam an. hm