Im Dezember verhieß die griechische Regierung, sie wolle im Frühjahr alle Verbannten von den KZ-Inseln und aus anderen entlegenen Orten freilassen. Diese humane Geste verfehlte nicht ihren Eindruck bei den Verbündeten in der Nato, und lenkte von der Tatsache ab, daß Griechenland noch immer alles andere als ein demokratischer Rechtsstaat ist. Nun erreicht uns ein Hilferuf von politischen Internierten auf der Insel Kithira, einem gottverlassenen Eiland an der Südspitze Griechenlands, der jene Versprechungen der Obristen Lügen straft. Zwar entließen sie die Häftlinge nach vier Jahren aus der Haft, ließen sie aber nicht in ihre Heimat und zu ihren Angehörigen zurückkehren, sondern verfrachteten sie auf diese Insel.

Die Lebensbedingungen der Verbannten in Kithira – einem Dorf mit knapp 300 Einwohnern und ohne Verdienstmöglichkeiten – sind eines zivilisierten Staates unwürdig. Zehn Verbotstafeln sollen die Dorfbewohner von Kontakten mit den Lagerbewohnern abhalten. Jederzeit darf die Polizei die Unterkünfte durchsuchen. Die Ausgangszeit ist beschränkt, Baden am Strand verboten. Hilfe von den eigenen Angehörigen auf dem Festland (Mütter, Schwestern) ist nicht zu erwarten. Kithira ist übrigens kein Einzelfall.

In dem aus Kithira nach Deutschland geschmuggelten Brief heißt es:

„Unsere Einpferchung in der kleinen Siedlung innerhalb der Ortschaft von Kithira, die Beschränkung der Ausgehzeiten, die ständige störende Überwachung von uns allen, unsere Pflicht, uns jeden zweiten Tag zu melden – anstatt jede Woche, wie es im Lager war! –, das Aufschreiben der Personalien aller Verwandten und Bekannten, die uns besuchen, in einem besonderen Buch, beweisen, daß wir alles andere als in Freiheit leben. Wir sind gezwungen, als Fremde unter Fremden zu leben.

Die Regierung besteht darauf, uns den Betrag von täglich nur 17 Drachmen (etwa 1,90 Mark), der schon im Lager nicht ausreichte, am Ende jeden Monats zur Verfügung zu stellen. Im Lager waren die 17 Drachmen nur für die Verpflegung, jetzt müssen wir auch noch Miete, Licht, Wasser, Reinigung, Medikamente usw. davon zahlen.

Und das alles im Gegensatz zu der gesetzlichen Verordnung 116/1969 „über die Ausgaben von Personen, die sich in Haft befinden“, wo es in Artikel 1 heißt: „Sowohl jegliche notwendige Ausgaben von Personen, die unter gesetzlicher Haft stehen, als auch die Verpflegungsausgaben usw. werden aus öffentlichen Mitteln gezahlt.“

Es ist außerdem bekannt, daß der Verpflegungssatz von 17 Drachmen täglich im Jahre 1967 festgelegt wurde. Wenn die Regierung auf dieser minimalen Zuwendung besteht, so weckt sie in uns die Überzeugung, daß sie unsere physische Vernichtung bezweckt.