Frankfurt

In den Morgenstunden des 20. Januar fährt in der Frankfurter Innenstadt ein Wagen bei Rot über eine Kreuzung und zwingt damit einen Taxifahrer zur Vollbremsung. Das darf nicht ungeahndet bleiben. Die Verfolgung wird aufgenommen und nach einer aufregenden Jagd der Wagen gestellt. Es kommt aber nicht zur Auf-Wagen der Personalien, sondern zu einer Schlägerei. Auf der Strecke bleibt der Taxifahrer.

Die Jagd geht weiter. Ein Taxikollege treibt den Rotfahrer vor sich her. Bis an den Main. Als der verfolgte Wagen über den Kai rast und in den Fluten versinkt, taucht plötzlich ein ganzes Taxirudel auf. Haben sie bei der Treibjagd mitgeholfen? Die Frankfurter Staatsanwaltschaft, die ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung und Nötigung einleitete – von den vier Insassen sind drei ertrunken –, war nicht in der Lage, diese entscheidende Frage zu beantworten: Das Tonband, auf dem der Taxifunkverkehr dieses Morgens in der Zentrale aufgenommen wurde, gab es nicht mehr, als sich die Ermittlungsbehörde dafür interessierte.

Aber es wird trotzdem einen Prozeß geben: gegen den einzigen Überlebenden, den Fahrer des verfolgten Wagens. Nach Meinung der Staatsanwaltschaft ist er allein an allem schuld. Es gibt aber in Frankfurt noch andere Meinungen über das grauenvolle Unglück, bei dem drei junge Menschen sterben mußten: Im nächtlichen „Chikago der Bundesrepublik“ arbeiten Polizei und Funktaxifahrer nicht selten Hand in Hand. Das ist eine Tatsache. Das im Sande verlaufende Ermittlungsverfahren gegen die Taxi-Hilfssheriffs müsse vor diesem Hintergrund gesehen werden. Das jedoch ist eine subjektive Bewertung. Vorbeugend sei das besonders betont, um dieses Kapitel nicht um ein weiteres Ermittlungsverfahren zu bereichern. Aber zur Vollständigkeit der Darstellung des Geschehens gehören nun einmal auch diese Mutmaßungen. Sie gehören genauso dazu wie die drei Leichen im Main.

Gerhard Ziegler