Wirtschaft

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DIE ZEIT

Für ein Zweites Europa

Die europäischen Dinge kommen wieder in Fluß. Erst die Einigung Heath-Pompidou, jetzt die Begegnung Pompidou-Brandt, erfreulich verlaufen, wiewohl nicht in allen Punkten zur gemeinsamen Aktion führend – sie geben den Blick, wo nicht den Weg nach vorn frei.

Post-Strategie

Die Sucht der DDR nach internationaler Aufwertung und Abgrenzung von der Bundesrepublik treibt kuriose Blüten. Seit Beginn dieses Monats verlangt die Ost-Berliner Obrigkeit für den „grenzüberschreitenden Postverkehr“ von ihren Bürgern beträchtlich höhere Gebühren.

Auf schmalem Grat

Die erste Visite eines deutschen Außenministers in Tel Aviv steht unter keinem glücklichen Stern. Es wird aller Überzeugungskraft und vernünftiger Argumente Scheels bedürfen, um die israelischen Sorgen zu zerstreuen, daß Bonn in seiner Nahost-Politik eine Kursänderung vorgenommen habe – hinweg von dem "besonderen Verhältnis", das bisher die Beziehungen zwischen beiden Staaten bestimmte.

Kiesinger paßt

Nur knapp fünf Jahre liegen zwischen dem Aufstieg und dem Untergang des Kiesinger-Sterns am CDU-Himmel. Und trister konnte der Abgang des lange Zeit erfolgreichen ehemaligen Kanzlers der Großen Koalition kaum sein: Kiesinger paßte.

Im Zweifel für die Freiheit

Mit sechs gegen drei Stimmen hat die liberale Mehrheit der Richter des Supreme Court der Vereinigten Staaten der New York Times und der Washington Post erlaubt, die Veröffentlichung der McNamara-Studie und der Pentagon-Dokumente über den Vietnam-Krieg fortzusetzen.

Die Katastrophe im Kosmos

In der Sowjetunion hat jeder wohl hundertmal den Ausruf des Kosmonauten Georgi Dobrowolski beim Anblick der Erde aus dem Bullauge des Raumschiffs Sojus 11 gehört oder gelesen: „Seht da unten; es zieht uns nach Hause, zur Sonne, zur frischen Luft; man möchte in den Wald gehen.

ZEITSPIEGEL

Britische Soldaten, die in Nordirland immer wieder von irischen Heckenschützen attackiert werden, greifen neuerdings zu einer ungewohnten Tarnung.

Über Brüssel hinaus

Dies sind bittersüße Wochen für viele Europäer der ersten Stunde. Nicht nur scheint der britische Beitritt, den viele von ihnen nie gewollt haben, nun zu gelingen, sondern vor allem findet das Erste Europa, das EWG-Europa, sich in einer Phase für sie schmerzlicher Veränderungen.

Der Tod im Salt Lake Camp

Als der Morgen graut, haben sich noch immer keine Helfer gefunden, die ihm die traurige Pflicht, das in der vergangenen Nacht verstorbene Kind zu beerdigen, abnehmen.

Zelte sind am wichtigsten

Interview mit dem Hamburger Senator Heinsen über die Lage der Flüchtlinge in Westbengalen

Yahyas absurder Plan

Als am 25. März das blutige Gemetzel in Ostpakistan begann, da gab es Zyniker, die meinten, Yahya Khan wolle die Bevölkerung Ostpakistans so lange dezimieren, bis sich herausstelle, daß der Westen und nicht der Osten die Majorität des Volkes darstelle.

Kein Wink aus Moskau

Seinen Israel-Flug betrachtet er jedenfalls nicht als Routine: „Schon deshalb nicht, weil dies der erste Besuch eines deutschen Außenministers in Israel ist.

Wolfgang Ebert:: Immer diese Linken!

„Haben wir’s nicht immer gesagt?“ haben sie schon damals gesagt, als es mit dem Dullesschen Rollback und mit der Adenauerschen Politik der Stärke, durch die wir die Wiedervereinigung bekommen sollten nicht geklappt hatte.

Der Papst zeigt seine Macht

Wenn aus dem Mysterium des Glaubens, von dem die Theologen sprechen, die Geheimniskrämerei seiner Verwalter abgeleitet wird, dann dürfen sich diese nicht wundern, wenn sich unter den Gläubigen Argwohn regt.

Nicht mehr nach Tondern

Ein schwerer Schlag ist dem dänischen Fremdenverkehr durch den Bundesgerichtshof und das Bundesverfassungsgericht versetzt worden.

Griechenland: Hilferuf aus Kithira

Im Dezember verhieß die griechische Regierung, sie wolle im Frühjahr alle Verbannten von den KZ-Inseln und aus anderen entlegenen Orten freilassen.

Türkei: Brief aus der Zelle

Vier Monate nach der Übernahme der Macht durch die Militärs herrscht in der Türkei noch immer der Ausnahmezustand. Die Verhaftungswelle dauert an.

Nixon unter Druck

Seit vergangener Woche ist das aktive Wahlrecht in den Vereinigten Staaten von 21 auf 18 Jahre herabgesetzt; rund elf Millionen Jüngstwähler können 1972 bei der Präsidentenwahl an die Urnen gehen.

Der Krieg begann mit Kennedy

Die große amerikanische Republik ist unser Freund!", rief Innenminister Giap überschwenglich aus, als am 2. September 1955 in Hanoi die "Demokratische Republik Vietnam" ausgerufen wurde – die erste von Kommunisten geführte Volksrepublik.

Taxi als Tatwaffe?: Hilfstruppe

In den Morgenstunden des 20. Januar fährt in der Frankfurter Innenstadt ein Wagen bei Rot über eine Kreuzung und zwingt damit einen Taxifahrer zur Vollbremsung.

Kreuz mit Krankenkassen: Paragraphen-Knecht

Die AOK sei nicht okay, andere bundesdeutsche Krankenversicherungen ebenfalls nicht. Mit dieser These verunsichert der Landarzt Friedrich Knecht (57) aus Kohlhaus, einem kleinen Dorf im Kreis Fulda, die Versicherten.

Oppositionsbilanz in Düsseldorf: Pocken und Cholera

Vor einem Jahr noch war er der junge Mann der alten Herren in Bonn. Jetzt hat der junge Mann in Düsseldorf etwas geschafft, was die alten Herren jahrzehntelang vergeblich versucht hatten: Heinrich Köppler steht seit einigen Wochen an der Spitze des Präsidiums der CDU-Landesverbände Rheinland und Westfalen-Lippe.

Planung in der Sackgasse

Aus Bonner Theorie und Praxis: Guter Wille und neuer Stil allein genügen nicht

Vietnam-Studie freigegeben

Das Oberste Gericht der Vereinigten Staaten hat in der vergangenen Woche die McNamara-Dokumeite über das Engagement der USA in Vietnam zur weiteren Veröffentlichung freigegeben.

Schiller-Leber: Stabilitäts-Streik

Die Bundesminister Schiller und Leber sind miteinander in Streit geraten. Die Ursache: Beamte des Finanzministeriums hatten erklärt, sie würden eine einheitliche Kraftfahrzeugsteuer und eine Erhöhung der Mineralölsteuer bevorzugen.

Schritt um Schritt angenähert

April 1968: Nordvietnam stimmt direkten Kontakten mit Vertretern der USA zu, nachdem Präsident Johnson Ende März einen Teil-Bombardierungsstopp befohlen hatte.

CDU-Sozialausschüsse: Für Mitbestimmung

Hans Katzer, wiedergewählter Vorsitzender der CDU-Sozialausschüsse; gibt nicht auf. Entgegen den Beschlüssen des Düsseldorfer Parteitages, die nicht dem Grundsatz der sozialen Partnerschaft entsprächen und „alsbald“ zu revidieren seien, legten die Sozialausschüsse der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft am Wochenende in Koblenz einen umfangreichen Katalog von Forderungen vor.

Keine Einigung in der Währungsfrage

Bei den jüngsten deutsch-französischen Konsultationen, die am Wochenanfang mit großer Besetzung in Bonn stattfanden, ist in fast allen Punkten so gut wie völlige Übereinstimmung erzielt worden.

Dokumente der ZEIT

„1. Die US-Regierung muß ihrem Aggressionskrieg in Vietnam ein Ende setzen, die Vietnamisierungs-Politik stoppen und aus Südvietnam alle Truppen, Militärpersonal, Waffen und Kriegsmaterial der USA und der anderen ausländischen Mächte im US-Lager zurückziehen, ferner alle US-Stützpunkte in Südvietnam ohne irgendeine Bedingung räumen.

CDU-Parteivorsitz: Kiesingers Nein

Kurt Georg Kiesinger wird auf dem Saarbrücker CDU-Parteitag Anfang Oktober nicht mehr für den Parteivorsitz kandidieren. Diese Erklärung des Ex-Bundeskanzlers vor dem Bundesvorstand der CDU am Montag hat nicht überrascht; freilich blieb offen, wie Kiesinger reagieren wird, falls Mitglieder des Parteitages ihn nominieren sollten.

Tod im All durch Embolie

Moskau hat die drei tödlich verunglückten Kosmonauten Georgij Dobrowolski, Viktor Pazajew und Wladislaw Wolkow mit großem Pomp und allen Ehren am Freitag beigesetzt.

Kurz und knapp

Ganze 45 Seiten hat die britische Regierung benötigt, um den Resultaten der EWG-Verhandlungen rückhaltlos zuzustimmen. Das Weißbuch ist ein Dokument ohne Pathos.

Ist die freie Universität am Ende?

Die Ironie der Universitätsgeschichte will es, daß die Frage, wie lange es freie Universitäten überhaupt noch geben kann, sich immer wieder und am dringlichsten bei jener Hochschule stellt, die sich einst in westlicher Überheblichkeit den Namen Freie Universität gegeben hat.

Das Taschentuchkino hat Hochsaison

Nun schmachten sie wieder. Die Filme der Sozialkritik, des Aufruhrs, der Polemik, der Aggressionen und Agitationen sind vergessen: Die ganze Welt produziert love-stories en gros und en detail, banale Dreiecksgeschichten und Trivialitäten aus dem Poesiealbum, aufgeblasen zu gefühligen, ungeheuer bombastischen und geschmäcklerischen Melodramen.

SCHALLPLATTEN

Eine hervorragende Platte aus zwei Gründen: Zum einen sind es diese unsentimentalen, klar konstruierten zweisitzigen Sonaten, in denen Scarlatti (1685–1757) auf harmloser harmonischer Basis ein Feuerwerk von witzigen, melancholischen, fröhlichen Einfällen abbrennt; zum anderen ist es die fast vollkommene musikalische Identität zwischen dem Komponisten und seinem Interpreten (und Erforscher) und dessen makellosem, farbigem, spannendem Spiel auf einem übrigens ungewöhnlich klangvollen Instrument.

Selbstverschuldet unmündig?

In der Mitte eines bis dahin ruhigen Sommersemesters – nur die Rote Zelle Anglistik streikte noch gegen den Beowulf – legten vierzehn Professoren Ende Mai ihre Ämter im Akademischen Senat der Freien Universität nieder.

ZEITMOSAIK

Das Berliner Ensemble hat wieder eine Intendantin. Zwei Monate nach dem Tod der großen Prinzipalin Helene Weigel übernimmt jetzt Ruth Berghaus, seit September 1970 bereits als stellvertretende Intendantin tätig, die Leitung des Theaters am Schiffbauerdamm.

Kunstkalender

Fast ihren gesamten Bestand an Gemälden, Zeichnungen und Druckgraphik des Barock hat die Bremer Kunsthalle ausgestellt und durch einige wichtige Bilder aus anderen Museen ergänzt.

Horst Schlötelburg: Kopak-Pakote

Seit sie bei uns gegenüber das Haus bauen, bin ich sehr aufgeregt und renne herum und denke: was soll ich bloß machen. Ich kann natürlich nichts machen, alles wird seinen Gang gehen, aber was tut man nicht alles, man versucht sein möglichstes.

Linke Algebra in Bremen

Die Krisen an der sich so qualvoll entwickelnden Universität Bremen sind schön zur Gewohnheit geworden. Diesmal waren die Mathematiker betroffen, ausgerechnet die Fachschaft, die vom Tauziehen um die Berufungen ausgenommen gewesen war.

Adonis im Bade

In Europa geschehe es des öfteren, so hört man, daß eine Ehefrau ihrem Hund hingebungsvoll den Rücken kraule, nicht aber, daß sie das gleiche bei ihrem Ehemann tut.

Wie man berühmt wird

Es war in einem von Touristen bevölkerten Ort. Ich selber gehörte nicht zu den Touristen, sondern war auf der Reise anderswohin und machte nur kurze Station zum Mittagessen in einem Restaurant, wollte aber vorher eben noch auf das nahe Postamt gehen, um dort einige Briefmarken zu kaufen.

Devotion an der Kreml-Mauer

In der Sowjetunion hat der Tod der Saljut-Kosmonauten einen Stil hervorgerufen und ein Vokabular in Bewegung gesetzt, die nicht nur die „Größenordnung“ dieses supranationalen Falles zum Ausdruck bringen, sondern streng genommen unzulässig sind: weil sie ihrem Wesen nach im Widerspruch stehen zum herrschenden Dogma, zum Atheismus.

Wo das Unmögliche zum Alltag gehört

Als ich vor zwölf Jahren zum erstenmal nach Portugal kam, war meine Meinung über Land und Leute rasch gebildet, und ich floh nach drei Tagen über Badajoz nach Salamanca.

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