Von Werner Höfer

Walter Scheel geht nicht mehr am Stock. Er ist wieder fit wie immer, diesmal für einen Flug in besonderer Mission.

Seinen Israel-Flug betrachtet er jedenfalls nicht als Routine: „Schon deshalb nicht, weil dies der erste Besuch eines deutschen Außenministers in Israel ist.“ Er setzt hinzu: „Natürlich bewegen mich bei diesem Flug andere Gefühle als bei einer Reise in irgendein anderes Land. Es ist mir bewußt, daß ich Gast eines Landes sein werde, dessen Geschichte mit der unseren auf tragische Weise verbunden ist, und in dem Menschen leben, die einmal Deutsche waren oder noch Deutsche wären, wenn Deutschland sie nicht vertrieben hätte. Dieser Gedanke wird mich bei allen Gesprächen in Israel, mit den verantwortlichen Politikern wie mit namenlosen Bürgern, begleiten.“

Als äußeren Anlaß für seine Reise nennt Scheel die „Erwiderung“ des Besuchs, den sein Kollege Abba Eban Bonn im vorigen Jahr abgestattet hat. „Der Zeitpunkt für meinen Gegenbesuch ist günstig. Denn in diesen Wochen ist das israelischdeutsche Verhältnis intensiv in der Öffentlichkeit beider Länder erörtert worden. So fügt es sich gut, daß man jetzt über einige Besorgnisse sprechen kann.“

Was Scheel untertreibend als „Besorgnisse“ bezeichnet, bezieht sich auf die deutsche Ost- wie Westpolitik, soweit sie für die „Verwundbarkeit der israelischen Position“ von Belang ist. Abba Eban habe zwar eben erst von dem guten Verhältnis gesprochen, das seit der Amtsübernahme der sozial-liberalen Regierung zwischen der Bundesrepublik und Israel besteht. Er werde aber gern seinem israelischen Kollegen versichern, daß die Bonner Ostpolitik keinerlei Tendenzen enthalte, die Israel beunruhigen könnten.

„Hat es bei Ihren Gesprächen mit Vertretern des Ostblocks irgendeinen Wink gegeben, der als Versuch einer Beeinflussung Ihrer Einstellung zu Israel verstanden werden könnte?“

„Nein, es gab kein Wort und nicht einmal einen Wink in dieser Richtung. Ich hätte dem auch sofort mit Entschiedenheit widersprochen.“