Bei den jüngsten deutsch-französischen Konsultationen, die am Wochenanfang mit großer Besetzung in Bonn stattfanden, ist in fast allen Punkten so gut wie völlige Übereinstimmung erzielt worden. Die währungspolitischen Differenzen zwischen beiden Ländern konnten jedoch auch von Brandt und Pompidou nicht überwunden werden.

Wie schon bei dem vorangegangenen Treffen der EWG-Finanzminister in Brüssel blockieren sich die deutsche und die französische Position in dieser Frage gegenseitig. Paris möchte sich auf den deutschen Wunsch, künftig die Bandbreite der Wechselkurse im internationalen Währungssystem, speziell der europäischen Währungen gegenüber dem Dollar wesentlich zu erweitern, erst einlassen, wenn Bonn sich auf Details der Rückkehr zu einer festen DM-Parität festgelegt hat und deren Folgen für die französische Wirtschaft abzuschätzen sind; Bonn hingegen zögert mit solchen Zusicherungen, solange Paris sich nicht zur Reform des Weltwährungssystems bereit zeigt.

Dennoch soll bis zur Tagung des Internationalen Währungsfonds im Herbst versucht werden, in bilateralen Gesprächen die Voraussetzungen für eine gemeinsame EWG-Haltung bei jener Konferenz zu schaffen. Während man auf deutscher Seite nach dem Konsultationstreffen von einer „gewissen Annäherung in der Bandbreite der Meinungen“ sprach, verhehlte die französische Delegation ihre Skepsis nicht, ob es noch zu einer rechtzeitigen Einigung kommen werde. Brandt stellte in diesem Zusammenhang fest, daß es kein endloses „floating“ des DM-Kurses geben werde, und daß beide Staaten strikt an der Absicht festhielten, eine europäische Wirtschafts- und Währungsunion zu schaffen.

Was den politischen Ausbau der EWG betrifft, so sollen die beiderseitigen Erwägungen, Europa-Minister oder eine Art europäischen Bundesrat zu etablieren, auf pragmatische Weise und unter Einbeziehung der künftigen vier neuen EWG-Mitglieder weiterverfolgt werden. Einig waren sich Brandt und Pompidou auch darin, daß die Handelsschranken zwischen der erweiterten EWG und den USA und ebenso den Efta-Ländern auf lange Sicht abgebaut werden sollten, wenn auch die EWG-Mitglieder eine „besondere Qualität“ behalten müßten.

Übereinstimmung bestand auch darüber, daß die möglichen Gespräche über eine gegenseitige ausgeglichene Truppenreduzierung (MBFR) nicht zu einer Angelegenheit allein der USA und UdSSR werden dürften, sondern die europäischen Nato-Partner daran in jeder Phase beteiligt sein müßten. Bonn verbindet damit die Hoffnung, daß Paris seine bisherige Zurückhaltung gegenüber Erkundungsgesprächen mit Regierungen des Warschauer Pakts aufgeben und sich auch an der Fixierung einer gemeinsamen europäischen Position beteiligen wird. Unverkennbar war jedoch, daß Frankreich dem gesamten MBFR-Projekt nach wie vor mit großer Reserve begegnet.

Keinerlei Differenzen gab es bei der Beurteilung der Berlin-Verhandlungen, bei der sich der vorsichtige, aber deutliche französische Optimismus mit den deutschen Erwartungen traf. Das Verhandlungsziel wurde mit der Formel von einer „Vierer-Garantie für die Lebens- und Entwicklungsfähigkeit“ der Stadt definiert. In diesem Zusammenhang wurde bekannt, daß sich künftig die Staatssekretäre Bahr (Kanzleramt) und Frank (Auswärtiges Amt) mit den drei westlichen Botschaftern regelmäßig einmal, in der Woche treffen werden, um die gegenseitige Abstimmung noch mehr zu vertiefen.

Große Befriedigung hat schließlich bei der Pariser Delegation die Mitteilung hervorgerufen, daß künftigen den deutschen Schulen das Französische neben dem Englischen gleichberechtigt als erste Fremdsprache rangieren wird. Diese Änderung soll schon zu Beginn des neuen Schuljahres im Herbst in Kraft treten.