Vorstandsvorsitzender Heinz P. Kemper, der im August in den Aufsichtsrat überwechselt, verabschiedet sich von den Veba-Aktionären mit einem guten Abschluß des abgelaufenen Geschäftsjahres. Für 1969/70 erhalten die Aktionäre 14 Prozent Dividende (13 Prozent im Vorjahr). Für das Rumpfgeschäftsjahr (1. Oktober bis 31. Dezember 1970) werden zusätzlich vier Prozent ausgeschüttet. Trotz der erschwerten Geschäftsbedingungen, die die Lohnkostenexplosion und die Freigabe des Wechselkurses mit sich brachten, versprach Kemper den Aktionären auch für das laufende Geschäftsjahr eine Dividende von 14 Prozent.

Gleichzeitig wird er die Aktionäre aber zur Kasse bitten. Bis 1975 will der Konzern 7,5 Milliarden Mark investieren. Nur zwei Drittel können davon aus Abschreibungen und eigenen Mitteln finanziert werden, Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres soll das genehmigte Kapital zu einer Kapitalerhöhung im Verhältnis 4 : 1 (voraussichtlicher Emissionskurs: 200 Prozent) verwendet werden. Der Bund, der noch 40 Prozent des Kapitals von 825 Millionen Mark hält, hat sich mit diesem Schritt einverstanden erklärt.

Zudem soll es künftig nur noch eine Sorte Veba-Aktien geben: Die Stimmrechtsbeschränkung der B-Aktien und die Schlechterstellung der A-Aktien bei der Gewinnverteilung soll aufgehoben werden. Wenn dieser Beschluß durchgeführt wird, muß die Veba jährlich einen Betrag von etwas mehr als vier Millionen zusätzlich an Gewinn ausschütten.

Mit dem bisherigen Verlauf des Geschäftsjahres 1971 ist man bei der Veba nur bedingt zufrieden. In einigen Bereichen hat sich zwar der Umsatz bis zu 25 Prozent erhöht, doch die Erträge folgen dieser Expansion nur unterschiedlich. Bei der Elektrizitätsversorgung wirken sich Kostensteigerungen besonders negativ aus. Deshalb ist eine Anhebung der Tarife unumgänglich.

mh