Nur knapp fünf Jahre liegen zwischen dem Aufstieg und dem Untergang des Kiesinger-Sterns am CDU-Himmel. Und trister konnte der Abgang des lange Zeit erfolgreichen ehemaligen Kanzlers der Großen Koalition kaum sein: Kiesinger paßte. Nicht er, sondern Generalsekretär Heck trat vor die Presse, um zu verkünden, daß der Parteivorsitzende sich nicht aufs neue um dieses Amt bewerben werde.

Das Feld der Nachfolge-Aspiranten ist nun übersichtlicher, aber das Rennen deshalb noch nicht gelaufen. Zwar liegt Rainer Barzel eindeutig vorn, und die Entschlossenheit, mit der er die Union von Parteichef, Kanzlerkandidat und Fraktionsvorsitzendem in seiner Person verficht, mag ihm zusätzliche Sympathien sichern. Doch auch er muß sich mit der Neigung vieler CDU-Leute auseinandersetzen, Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur zu trennen. Diese Strömung könnte Helmut Kohl, der sich ohne Kanzlerehrgeiz allein der Regeneration der Partei verschreiben will, nach oben tragen. Würde Kohl zum CDU-Vorsitzenden gewählt, wären in der Konkurrenz um die Kanzlerkandidatur Gerhard Schröders Chancen größer als im Augenblick.

Freilich, in alle Kalkulationen spielt eine Ungewißheit hinein: Wie die CSU auf die Personalentscheidungen der CDU reagieren wird. Den Bayern macht es großen Spaß, ihre Schwesterpartei mit dem ständigen Hinweis zu zwicken, daß über den gemeinsamen Kanzlerkandidaten erst im Herbst gesprochen werden könne.

C. C. K.