Kurt Georg Kiesinger wird auf dem Saarbrücker CDU-Parteitag Anfang Oktober nicht mehr für den Parteivorsitz kandidieren. Diese Erklärung des Ex-Bundeskanzlers vor dem Bundesvorstand der CDU am Montag hat nicht überrascht; freilich blieb offen, wie Kiesinger reagieren wird, falls Mitglieder des Parteitages ihn nominieren sollten.

Im Rennen um den Parteivorsitz liegen jetzt nur noch Fraktionschef Barzel und der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kohl. Gerhard Schröder, der als Kanzlerkandidat nominiert werden möchte, vertraut darauf, daß die Mehrheit des Parteivolks für eine Trennung von Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur plädiert.

Allerdings wird in Saarbrücken nur über den Vorsitz entschieden. Bei der Wahl des Kanzlerkandidaten will die CSU, wie sie deutlich gemacht hat, ein Wort mitreden. Im Gespräch ist ein gemeinsamer Parteitag von CDU und CSU, wie ihn Richard Stücklen, Vorsitzender der Bonner CSU-Landesgruppe, vorgeschlagen hat. Offenbar hat sich das Verhältnis zwischen dem CSU-Vorsitzenden Strauß und dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Barzel etwas getrübt. Zu den Streitpunkten zählt die Gründung der Deutschen Union (DU) Zoglmanns, die den Segen von Strauß, aber das Mißfallen Barzels gefunden hat. Die CDU bekräftigte am Montag: Ein Wahlbündnis mit der DU kommt nicht in Frage. Wenn Strauß die DU im „Huckepackverfahren“ in den Bundestag bringen möchte, müßte die CSU die notwendigen drei Direktmandate abtreten.