Das Ende des Chemie-Streiks

weckt die Hoffnung,

daß es 1971 nicht mehr zu

harten Arbeitskämpfen kommt

Die Arbeitgeber der chemischen Industrie haben ihr wichtigstes Ziel erreicht: Der Tarifkompromiß, der bei der Bundesschlichtung vereinbart worden ist, sieht optisch keine größere Lohnerhöhung vor, als sie schon vor Wochen für Rheinland-Pfalz vereinbart worden war. Für das ganze Bundesgebiet gilt nun die Formel: 7,8 Prozent mehr für zehn Monate. Wäre man über diesen Satz hinausgegangen, wäre Hans Schweitzer, Bezirksleiter der IG Chemie für Rheinland-Pfalz, düpiert worden – und künftig hätte es wohl kaum noch ein Landesfürst der Gewerkschaft gewagt, im Alleingang einen Kompromiß mit den Unternehmern zu suchen.

Nicht so ins Gewicht fällt dagegen die Tatsache, daß in der Bundesschlichtung noch eine Abschlagszahlung für die zwei tariflosen Monate in Höhe von 60 Mark sowie andere Vergünstigungen vereinbart worden sind. Vermögenswirksame Leistungen etwa oder Ausbildungsbeihilfen dürften in Rheinland-Pfalz einfach bei „der nächsten Runde“ im Frühjahr 1972 nachgeholt werden. Entscheidend bleibt: Der Satz der Tariferhöhung ist für das ganze Bundesgebiet einheitlich.

Die Gewerkschaften reagierten auf den Lohnkompromiß nicht gerade enthusiastisch: Im Hauptvorstand der IG Chemie gab es nur eine knappe Mehrheit der Ja-Stimmen. Eigentlich kann aber auch die Arbeitnehmer-Organisation zufrieden sein. Sie hat immerhin eine Lohnsteigerung durchgesetzt, die vor den „wilden Jahren“ seit 1969 als durchaus respektabel angesehen worden wäre – und dies in einer Branche, die wie keine andere über lawinenartig fallende Erträge zu klagen hat.