„Bambule“, von Ulrike Marie Meinhof. Was der Selbstjustiz der ARD zum Opfer fiel und seither als Konserve auf Eis lagert, ist in Form eines Filmdrehbuchs zu besichtigen, gerahmt von einem (früheren Arbeiten entnommenen) Meinhof-Vorspann und einem (für diese Buchausgabe gefertigten) Wagenbach-Nachspann („Der Film von Ulrike Marie Meinhof zeigt, was mit den Produkten geschieht, die aus dem Markt gezogen werden: der Ausschuß wird sortiert“). Im Film – er basiert auf belegten Fakten – macht der aus dem Verkehr gezogene „Ausschuß“ (hier sind es weibliche Fürsorgezöglinge) „Bambule“ (das heißt unorganisierten Aufstand); der Rabatz endet mit Polizeieinsatz und Bunkerstrafe für die Aufrührerinnen. Spruchband-Lehrsatz der linken Randgruppenstrategie, gezielt in die Handlung integriert: Organisierter Widerstand als Manifestation politischen Bewußtseins tut not – zerbrecht nicht den (selber unterdrückten) Unterdrücker, sondern das Klassensystem, dessen Rohrstock die Fürsorgeerziehung ist. Soweit das Lehrstück, das – soviel ist immerhin aus dem Buch ersichtlich – in seiner filmischen Realisation ein notwendiges Pendant zu Reinhard Hauffs Fernsehfilm „Ausweglos“ (gedreht nach Heiner Schoofs „Erklärung“, erschienen in der edition suhrkamp) darstellte, würde es nur endlich freigegeben. Immerhin entfiele dann der Grund, auch über Wagenbachs Nachspann ein Wort zu verlieren, in dem der Verleger – fuchsteufelswild über die internen Strategie-Differenzen mit linken Theorie-Robotern („kaputte Typen“) in Sachen Meinhof-Baader-Affäre – in den gleichen Fehler verfällt wie derzeit die Südwestfunkler mit ihrem „Bambule“-Verbot: Er bindet das Stück an die Person und Aktion der Autorin, deren „revolutionäre Praxis“ er seinerseits aber von seiner Berlin-Insel aus mit einem Korsch-Zitat Unterordnung aller theoretischen Bekenntnisse unter den Zweck der revolutionären Praxis“) perspektivistisch rechtfertigt. Durch Wagenbachs revolutionäre Brille gesehen, wird „Bambule“ zum Tragödchen in einer deutschen Tragödie, die vorläufig noch heißt: „Macht kaputt, was euch kaputt macht.“ Kaputtgegangen ist vorläufig allerdings nur die praktische Randgruppenarbeit in Sachen Fürsorgezöglinge. Auf keinen Fall sollte aber dieses „Nachwort“ des Verlegers einen weiteren Grund dafür liefern, den Film nun erst recht nicht auszustrahlen. (Rotbuch 24, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin; 106 S., 4,50 DM) Manfred Grunert

„Beefy ist an allem schuld“, Roman von Eric Malpass. Der junge Pfarrer hat die Arme nach dem Mädchen ausgestreckt, doch Sally ist plötzlich verschwunden. „Immerhin, sie schien ihn zu mögen, und was ihn anging, er liebte dieses frische, bezaubernde Mädchen John Adams, der Pfarrer, ist gütig und fromm. Sally ist auch gut und außerdem geistig rege, während Beefy, Sallys Vetter, zwar genauso gutartig, doch stark zurückgeblieben ist. Er kann, mit Mitte zwanzig, nicht mal lesen. Dieser neue „Malpass“ – was auch heißt: der neue Rowohlt-Bestseller – ist eigentlich schon vierzehn Jahre alt. Anders als der kleine Gaylord, der drei Malpass-Bücher angetrieben hat, ist Beefy kein Kind, er ist nur hilf- und arglos wie ein Kind. Die untüchtigen Berufsverbrecher, die er für seine Freunde hält, beteiligen ihn schon mal an einem kleinen Bankraub. Ein straffälliger Analphabet, ein Schwachsinniger ohne Arbeit und Adresse – ist das der rechte Held für einen sonnigen und spaßigen Roman? Der englische Erzähler Malpass zeigt an Beefy, wie robust eine Idylle sein kann, wieviel schlimme Wirklichkeit sie strahlend schluckt. (Aus dem Englischen von Susanne Lepsius; Rowohlt Verlag, Reinbek; 220 S., 18,50 DM) Christa Rotzoll