Neu in Galerien und Museen:

Bremen: Bis zum 25. Juli, Kunsthalle: „Bildkunst im Zeitalter Johann Sebastian Bachs“

Fast ihren gesamten Bestand an Gemälden, Zeichnungen und Druckgraphik des Barock hat die Bremer Kunsthalle ausgestellt und durch einige wichtige Bilder aus anderen Museen ergänzt. Es ist eine Parallelveranstaltung zum Bachfest der Neuen Bachgesellschaft in Bremen, von der man sich Besonderes verspricht: Sie soll zum Vergleich zwischen Musik und Malerei auffordern, sie soll ein Gespräch „über die Demarkationslinien des Metiers hinweg“ (Günter Busch) ermöglichen. Man hofft, aus der Gleichzeitigkeit künstlerischer Manifestationen irgendwelche Gemeinsamkeiten ableiten zu können, etwa barocke Grundstrukturen, die sich sowohl im Visuellen wie im Akustischen nachweisen lassen. Natürlich ist jeder Versuch, bei der Kunst- und Bildbetrachtung fachliche Enge zu vermeiden, dankenswert, zumal es sich hier in Bremen um einen ersten Versuch dieser Art handelt, der von einem Museum unternommen wird. Zu positiven Resultaten hat er indessen nicht geführt, denn einen Dialog zwischen den Künsten hat es im Zeitalter Bachs offenbar nicht gegeben: Bildkünstlerische Analogien zur Musik Johann Sebastian Bachs lassen sich nicht beobachten, er hat keinen Maler beeinflußt: Umgekehrt ist es ganz unwahrscheinlich, daß er sich überhaupt für Bilder interessiert oder einen halbwegs bedeutenden Maler gekannt hat. Es existiert keine historische Parallele etwa zum Dialog Picasso–Strawinsky. Die Bremer Ausstellung vermag sogar, um mit Adorno zu reden, dessen Festvortrag zum Barock und zur Barockrezeption bei den Berliner Festwochen 1966 im Bremer Katalog abgedruckt ist, „die Vormacht des Stilbegriffs selbst zu erschüttern“. Man sieht in Bremen fast fünfhundert Arbeiten von weit über hundert Künstlern, auch welchen der dritten und vierten Garnitur, die den Begriff Barock in eine Vielzahl personeller Stile auflösen. Dieser Begriff gilt allenfalls für die mittlere Lage, nicht für die oberen Ränge, die in Bremen etwa von den Tiepolos, von Piazetta, Guardi oder Maulpertsch (mit sieben herrlichen Arbeiten) repräsentiert werden. Und man kann in Bremen eine Menge kaum bekannter Namen entdecken, zum Beispiel die von Gandolfi und Peter Strudel von Strudendorf, exzellenten Zeichnern. Gottfried Sello

Hagen Bis zum 18. Juli, Karl-Ernst-Osthaus-Museum: „Eva Aeppli – Figuren und Figurengruppen“

Eva Aeppli näht Puppen, überlebensgroß, überdürr und mit überdimensionierten Spindelfingern, mit Stoffköpfen, gestickten roten Lippen; statt der Augen macht sie manchmal Trichterhohlen, und der Gesichtsausdruck kommt durch Biesennähte zustande. Der Besucher entwickelt sofort eine Ambivalenzbeziehung, und im nachhinein wird klar, um welche Alternative es hier geht: Sind das manifestierte Gespenster oder Verkörperungen von uns selbst? Aus solchen Zwischenwelten bezieht Eva Aeppli ihre Suggestivwirkung. Ihre Flickenpuppen stellen eine Beziehung zum Tode her, zu Leichen; und von der allgemeinen Verdrängung, die unsere Gegenwart im Umgang mit dem Tode auszeichnet, leben diese Figuren: Sie machen diese Verdrängung zumindest kurzfristig rückgängig. Besucher stellen sich spontan zwischen die Figurengruppen, Ad-hoc-Happenings entstehen. Auch kleine Kinder werden fasziniert, und das ist ungewöhnlich genug bei zeitgenössischer Kunst. Eva Aeppli, gebürtige Schweizerin, seit 1953 in Paris, stellt seit 1965 aus; gesucht ist sie allerdings erst seit 1969. Man hat im Zusammenhang mit ihren Figurengruppen an die „Bürger von Calais“ Rodins erinnert, berechtigter jedoch scheint ein Hinweis auf Paul Harris’ Stoff-Holz-Puppen. Das beiden Gemeinsame ist eine zielstrebig und bewußt deformierte Realität.

Harald Gröhler

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