United Press International (UPI) stellt seinen deutschen Dienst zum Jahresende ein. Der große Gewinner ist. die ohnehin vom Bundespresseamt favorisierte Deutsche Presse-Agentur (Jahresgewinn 1970: 50 000 Mark). Sie wird „zur Vervollkommnung ihrer Auslandsberichterstattung“ künftig – wie bisher schon den UPI-Bilderdienst – ab 1. Dezember 1971 auch den Weltnachrichtendienst der UPI abonnieren. Bisher bezog dpa den Weltdienst von der britischen Nachrichtenagentur Reuter. Als Konkurrenten neben dpa bleiben in der Bundesrepublik lediglich Associated Press (AP) und – ganz minimal – einzelne Dienste der französischen Agence France Presse. 1968 ermittelte das Bundespresseamt folgende Konkurrenzsituation: dpa belieferte knapp 88 Prozent der deutschen Zeitungen, UPI 57 und AP 49 Prozent.

Hinzu kommt, daß UPI häufig die schnellere und manchmal sachlichere Agentur war. Als Leber kürzlich seinen Kabinettskollegen Schiller attackierte, sendete beispielsweise dpa diese Meldung erst, nachdem UPI bereits zwei Berichte und Schillers Stellungnahme „über den Draht getickert“ hatte.

Deshalb beklagen viele Journalisten, daß mit der Einstellung des UPI-Dienstes eine Informationsquelle versiegt. Eckart Spoo, Vorsitzender der Deutschen Journalisten-Union, sah bereits die Bundesrepublik „auf dem Weg zur Einheitspresse“. Und der UPI-Betriebsrat beklagte den „folgenschweren Schritt, der in eklatantem Widerspruch, zu der erklärten Absicht der Bundesregierung steht, die Informationsvielfalt in diesem Lande zu erhalten“.

Schon früher hatte es Krach um UPI gegeben. Regierungssprecher Conrad Ahlers, 1968 über die seiner Meinung nach allzu harte Berichterstattung der amerikanischen Nachrichtenagentur UPI erzürnt, schalt die beiden in Deutschland tätigen US-Agenturen UPI und AP „Relikte aus der Besatzungszeit“. Massives Trommelfeuer der gesamten deutschen Presse zwang den autoritären ehemaligen „Spiegel“-Redakteur damals zum Beidrehen. Deutschlands Presse profitierte von der Konkurrenz am Nachrichtenmarkt; die eigene Deutsche Presse-Agentur (dpa) war vielen zu langsam.

Was Ahlers nicht schaffte, Bundesverkehrs- und Postminister Georg Leber erreichte es. Seine zum 1. Juli verkündete Erhöhung der Gebühren für ständige Fernschreibleitungen – um mindestens 99,75 Prozent und in extremen Fällen bis zu 500 Prozent – ließ die Amerikaner resignieren.

Bei UPI sieht die Rechnung so aus: Bisher hatten die Lohnkosten in dem arbeitsintensiven Betrieb 50, Prozent der Gesamtkosten beansprucht, die Ausgaben für die Nachrichtenübermittlung 20 Prozent. Diese 20 Prozent verdoppelten sich am 1. Juli auf 40 Prozent – für die nüchtern kalkulierenden Amerikaner Grund genug, den Deutschen den Rücken zu kehren. bke