Von Volker Rouge und Günter Schmieg

Nach einer jahrzehntelangen Planungsfeindlichkeit haben wir eine kurze Periode der Planungseuphorie erlebt. Wir sind jetzt dabei, uns auf die für einen Erfolg unbedingt erforderliche Nüchternheit einzupendeln.“ Mit diesen Worten hat Minister Leussink die Bonner Planungsdiskussion auf den treffenden Nenner gebracht. Er scheint dafür kompetent, zeigt sich doch gerade an den Plänen seines Ressorts, daß die Bonner Planungsaktivität schneller an ihre Grenzen gestoßen ist, als man in der Hochstimmung vergangener Jahre wahrhaben mochte.

Es gibt Indizien genug dafür, daß diese Grenzen erreicht sind: den „inneren Reformen“ fehlt der nötige finanzielle Unterbau, entsprechend werden jene Pläne vorgezogen, die nichts oder wenig kosten; die Pläne für den Umweltschutz treffen auf den massiven Widerstand der Lobby, noch immer steht der Umweltbericht der Bundesregierung aus; das Paradepferd der Bonner Planung schließlich, die mehrjährige Finanzplanung, kann weniger denn je beanspruchen, „Regierungsprogramm in Zahlen“ zu sein.

Oberflächlich mag dieser Umschwung als Zurückschrauben allzu hoch gesteckter Erwartungen erscheinen. Unter der Oberfläche jedoch zeigt sich mehr: der Zusammenbruch einer Fiktion, mit der Politiker, Publizisten und Wissenschaftler allzu lange operiert haben, der Fiktion nämlich, Planung sei hierzulande zwar schwierig, aber im Prinzip machbar; es bedürfe nur des guten Willens, einer Änderung des politischen Stils und einer konsequenten Regierung.

Vor diesem Hintergrund erst wird eine Analyse der wissenschaftlichen Planungsliteratur in der Bundesrepublik bedeutsam. Vier Tendenzen lassen sich mehr oder weniger deutlich nachweisen:

  • Die Debatte, ob politische Planung wünschenswert sei – lange Zeit mehr mit Emotionen denn mit Argumenten geführt –, ist zu Ende. Es geht nurmehr um das wie.
  • Auf die kritische Analyse bereits vollzogener Planung in Teilbereichen (Bildung, Finanzen usw.) wird entweder verzichtet, oder die Teilbereiche werden voneinander isoliert. Das Postulat ersetzt die Analyse, das Plädoyer die Kritik.
  • Organisationsfragen, insbesondere im Verhältnis zwischen Wissenschaft und Politik, überwiegen.
  • Und diese Organisationsfragen verkümmern zu „technischen“ Fragen. Bei der Übernahme amerikanischer Erfahrungen werden administrative Entscheidungs- und Managementtechniken immer wichtiger.

Die Berliner Habilitationsschrift von