Düsseldorf

Vor einem Jahr noch war er der junge Mann der alten Herren in Bonn. Jetzt hat der junge Mann in Düsseldorf etwas geschafft, was die alten Herren jahrzehntelang vergeblich versucht hatten: Heinrich Köppler steht seit einigen Wochen an der Spitze des Präsidiums der CDU-Landesverbände Rheinland und Westfalen-Lippe. Der 45jährige Politiker vertritt heute fast 150 000 CDU-Mitglieder, das sind rund vierzig Prozent aller eingeschriebenen Christdemokraten. Köppler ist zum mächtigsten Landesfürsten innerhalb der Christenunion aufgestiegen. Das jüngste Amt ist nur eine von den Funktionen, die Köppler heute in seiner Hand vereinigt. Er ist zugleich auch rheinischer CDU-Vorsitzender und Fraktionsführer im nordrhein-westfälischen Landtag.

Der Weggang aus Bonn hat sich für Köppler schneller als erwartet gelohnt. Es erscheint deshalb durchaus glaubhaft, wenn er Ambitionen auf seinem früheren Tätigkeitsfeld weit von sich weist. Köppler gräbt sich für die nächsten Jahre in der nordrhein-westfälischen Metropole ein. Seine bisherige Aktivität war daher vor allem dadurch gekennzeichnet, daß er seine Stellung in Düsseldorf systematisch ausbaute. Er will sich für den Tag X bereithalten, dann aber als unumstrittener Kandidat.

Für Köpplers steile und einmalige Karriere in der nordrhein-westfälischen CDU war es sicherlich von Vorteil, daß ihm das höchste angestrebte Amt, nämlich das des Ministerpräsidenten, bislang versagt blieb. Bei der Suche nach einem profilierten Sprecher hatte die rheinische CDU den ehemaligen Parlamentarischen Staatssekretär aus dem Bundesinnenministerium auf den Schild gehoben. Nur wenige Wochen später jagte Köppler dem damaligen CDU-Fraktionsvorsitzenden Wilhelm Lenz die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen ab. Der Schnellstart des Bonner Politikers sorgte in den unteren Reihen der Christdemokraten an Rhein und Ruhr für erhebliche Unruhe. Schließlich mußte Köppler öffentlich dementieren, daß Lenz „einer mit Bundespolitikern angereicherten nordrhein-westfälischen CDU-Mafia zum Opfer gefallen“ sei.

1970 führte er die CDU zum Wahlsieg, wenn auch nicht wieder in die Regierung. Denn wie in Bonn fanden sich auch in Düsseldorf die Christdemokraten auf, den Oppositionsbänken wieder, weil SPD und FDP ihre Koalition erneuerten. Auf Grund dieser Konstellation ergab sich für die CDU noch zwingender als früher die Notwendigkeit, der Regierung Kühn/Weyer eine vereinte Front entgegenzusetzen und sich nicht im landsmannschaftlichen Proporz zu verzetteln.

Köppler ging zunächst daran, seinen Apparat als Oppositionschef im Landtag erheblich auszubauen. Die CDU-Fraktion verfügt heute über acht wissenschaftliche Mitarbeiter, die Öffentlichkeitsarbeit wurde wesentlich verstärkt. Seinem vormaligen Rivalen Lenz verhalf Köppler zum Posten des Landtagspräsidenten, den ehemaligen Lenz-Vertrauten Ottmar Pohl machte er zum Parlamentarischen Geschäftsführer. Anfängliche Reibereien mit der „Lenz-Riege“ sind seltener geworden. Kritik kommt zuweilen aus den Reihen älterer Abgeordneter. Sie werfen dem Fraktionschef vor, er umgebe sich mit zu jungen Beratern. Tatsächlich liegt das Alter der Hilfsmannschaft zwischen 30 und 35 Jahren.

Aus dem Amt des Fraktionsführers setzte dann Köppler auf den nordrhein-westfälischen Parteivorsitz an. Auch hier taktierte der frühere katholische Verbandsfunktionär mit Geschick, um die früher so unabhängig und oft auch gegeneinander agierenden CDU-Zentralen in Köln und Dortmund unter einen Hut zu bringen. Dabei fand er Unterstützung beim westfälischen CDU-Vorsitzenden und Dufhues-Nachfolger Heinrich Windelen. Köppler kann auch weiterhin mit dessen Hilfe rechnen, da Windelen sein Stellvertreter im gemeinsamen Präsidium ist.