Die Sucht der DDR nach internationaler Aufwertung und Abgrenzung von der Bundesrepublik treibt kuriose Blüten. Seit Beginn dieses Monats verlangt die Ost-Berliner Obrigkeit für den „grenzüberschreitenden Postverkehr“ von ihren Bürgern beträchtlich höhere Gebühren. Auch für Postsendungen in die Bundesrepublik und nach West-Berlin wird nun Auslandstarif erhoben.

Die DDR beruft sich dabei auf Bestimmungen des Weltpostvereins, der für alle Mitgliedsländer neue Auslandsgebühren vorsieht. So behauptet die SED-Zeitung Neues Deutschland, auch die DDR sei „entsprechend der Verfassung des Weltpostvereins rechtmäßiges Mitglied geworden“. Doch das alles ist gelogen. Zwar hat die DDR im August 1970 den Beitritt zum Weltpostverein verkündet. Aber nach dessen Satzung müssen zwei Drittel der Mitglieder einem Aufnahmeantrag zustimmen – und das ist nicht geschehen.

Die Ost-Berliner Post zahlt auch keine höheren Gebühren an Länder, zu denen sie keine diplomatischen Beziehungen unterhält. Die Zuständigkeit der alliierten Postabrechnungsstelle in Berlin wird von der DDR seit 1967 nicht anerkannt. Die Ost-Berliner Zahlungsverpflichtungen gegenüber westlichen und den meisten neutralen Ländern werden seitdem von der Bundespost freiwillig übernommen.

Im innerdeutschen Postverkehr schließlich zahlt die Bundespost jährlich 30 Millionen Mark an die DDR. Wenn die Ost-Post nun auf die Idee käme, auf Briefe und Pakete aus der Bundesrepublik, die Inland-Franko tragen, Nachgebühren zu erheben, um den Abgrenzungstarif durchzusetzen, dann wäre die Vereinbarung über den Kostenausgleich eklatant verletzt. Wozu dann eigentlich Ausgleichszahlungen? J. N.